Da lachen doch die Elche oder ungefragt zum Titelgirl

Da lachen doch die Elche oder ungefragt zum Titelgirl

Jeder kennt sie: Die dreieckigen gelb-roten Schilder mit einem schwarzen Elch, welche die Autos von Schwedenurlaubern gleichermaßen wie die Auslagen von sämtlichen schwedischen Souvenirläden zieren. Doch die Meisten haben noch nie einen Elch in natura gesehen. Mein erster Gedanke, als ich das erste Mal einen Elch erblickte war: „Wow, sind die groß!“ Wenn Du wissen willst, wie mein erstes Treffen mit den riesigen Vierbeinern in einem Elchpark in Lappland so lief, welch ungewöhnliche Kost diese verspeisen und wie es unerwartet zu meinen fünf Minuten Ruhm kam, dann lies weiter.

Vier Monate verbrachte ich im Jahre 2010 für ein Praktikum bei einem Snowscooter-Adventure Camp in Lappland. Neben der Betreuung, Fütterung und Bespaßung unserer Gäste blieb einmal wöchentlich Zeit für einen Ausflug.

An einem klirrend kalten (-35 °C) Tag Ende Februar machten wir uns auf um das berühmte schwedische Wappentier endlich mal mit eigenen Augen zu sehen. Im Gegensatz zu Rentieren, die beinahe täglich an unserem Fenster vorbeispazierten, ließen sich die Elche nämlich nicht blicken. Also halfen wir unserem Glück ein wenig auf die Sprünge und machten uns auf zum Vittangi Älgpark im schwedischen Vittangi.Elchpark in Lappland„Good weather, no mosquitos today!“ begrüßt uns Lars Björk, der Besitzer des Elchparks gutgelaunt. Er führt uns zu einer Reihe von Holzgebäuden, eines schnuckeliger als das andere. In mühevoller Handarbeit wurden diese vom Künstler Håkan Lundström angefertigt worden und bilden nun den Startpunkt der Elchtour. Erstmal geht es für uns jedoch in eines der Häuschen, in dem wir unsere beinahe zu Eis erstarrten Füße auftauen und einen Film über die Tier- und Pflanzenwelt Lapplands präsentiert bekommen. Anschließend machen wir uns auf einen kurzen Fußmarsch zum Elchgehege.

Erste Erkenntnis: Elche sind riesig

Als der erste Elch schließlich vor mir steht staune ich nicht schlecht: Im Vergleich mit Rentieren sind Elche nämlich richtige Riesen, von der Größe her vergleichbar mit einem sehr großen Pferd. Lars Björk erzählt uns, dass Elche eine Schulterhöhe von 2m und ein Gewicht von bis zu 600kg erreichen können. Wow!

Männlicher Elch im Elchpark in Lappland

 Zweite Erkenntnis: Elche sehen plump aus, sind es aber nicht

Auf den zweiten Blick fällt einem auf, dass Elche leicht unproportioniert aussehen: Mächtige Körper und im Vergleich dazu dünne Storchenbeine. Doch der Schein trügt, denn Elche sind nicht nur gute Läufer, die Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h erreichen können sondern auch gute Schwimmer. Außerdem sind Elche äußerst stark und haben im Erwachsenenalter nur wenig Feinde. Beispielsweise kann bereits ein gut gezielter Elchtritt einen Wolf außer Gefecht setzen. Die größten “Feinde” der Elche sind leider die Menschen, vor deren Flinte oder Auto jährlich dutzende Elche sterben.

Echpark in Lappland

Dritte Erkenntnis: Elche sind Feinschmecker und essen Bananen

Mit allem hätte ich gerechnet aber nicht damit: Elche lieben Bananen. Doch natürlich steht Banane in der freien Natur nicht auf dem Speisezettel. Dennoch ist der Elch sehr wählerisch, was seine Nahrung betrifft: Protein- und mineralreiche Blätter, Triebe, Zweige, Knospen und auch Wasserpflanzen und das in rauhen Mengen von ca. 10 kg im Winter und 40 bis 50 kg im Sommer. Im Sommer machen sich die braunen Riesen auch gerne mal nasse Füsse um an ihre Lieblingsnahrung heranzukommen: Seerosen. Diese doch sehr spezielle Ernährung ist der Grund, warum Elche in unseren Breitengraden in Wildgehegen oder Tierparks weit zu suchen sind.

Elche essen Bananen im Elchpark in LapplandElche essen Bananen im Elchpark in LapplandVierte Erkenntnis: Elche mögen’s kalt aber können Hitze nicht ab

Elche sind so ganz anders wie wir Menschen: Bei Temperaturen im Winter ab 0 Grad und im Sommer ab 14 Grad kommen sie ins Schwitzen und müssen schnell nach einem schattigen Plätzchen oder einem erfrischenden Bad im kühlen Nass suchen. Dahingegen kann es für Elche beinah nicht kalt genug werden, bei Temperaturen bis zu -50 °C fühlt sich der Elch pudelwohl.

Da lachen doch die Elche - Elchpark in Lappland

Fünfte Erkenntnis: Elche können grinsen

Nicht nur konnte der Mann im (Elch-)Bunde Küsschen geben, nein er konnte auch grinsen.

Grinsender Elch im Elchpark in Lappland

Ungeahnte Folgen: 5 Minuten Ruhm

Unser Besuch des Elchparks war echt ein Erlebnis. Was ich allerdings nicht ahnen konnte, waren die Folgen, die dieser Besuch nach sich zog: Beinahe ein Jahr später wurde ich von meiner ehemaligen Mitpraktikantin kontaktiert. Sie arbeitete noch immer (inzwischen sogar bis zu diesem Tage) im Scootersafari-Camp und hatte für die nachfolgende Riege von Praktikantinnen einen Blick auf die Webseite des Elchparks geworfen. Und siehe da: Ein Bild von mir und zwei der Elche zierte die Startseite! Ich war total verdattert, hatte ich doch überhaupt nicht mitbekommen, dass der Besitzer ein Bild von mir geschossen hatte. Im Nachhinein muss ich sagen ist dieser Screenshot eines meiner schönsten Reisesouvenirs. Es erinnert mich an die eindrückliche Begegnung mit Schwedens Wappentieren und an die wunderschöne, actionreiche, intensive und einmalige Zeit, die ich in Lappland verbringen durfte.

Plötzlich berühmt: Elchpark in Lappland

 

 

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Kerstin
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Kerstin hat schon früh gemerkt, dass es sich lohnt, über den “Tellerrand” hinaus zu blicken und ihr Herz inzwischen an viele Orte verloren. Auf paradise-found.de schreibt sie von ihren Reiseerlebnissen, (versteckten) Lieblingsorten und gibt wertvolle Reisetipps.

7 Antworten

  1. Renate
    | Antworten

    Hallo Kerstin,
    tolles Erlebnis. Das Praktikum stelle ich mir richtig spannend vor. Ich weiß nur nicht, ob es mir nicht doch zu kalt gewesen wäre. Ich habe nur einmal Elche in der freien Natur und aus dem Bus gesehen. Das war im Denali in Alaska. Plötzlich stand einer am Straßenrand. Sie sind wirklich riesig und können durchaus gefährlich werden. Allerdings ist der Mensch für sie weit gefährlicher.

    Die Bilder sind süß und die Werbung im Prospekt ist doch wirklich gut gelungen!

    Lieben Gruß
    Renate

    • Kerstin
      Kerstin
      | Antworten

      Hallo Renate!
      Ja, mein Praktikum in Lappland war ein unvergessliches Erlebnis. Hatte vorher auch großen Respekt vor den Temperaturen, aber im Endeffekt ist das alles eine Sache der richtigen Kleidung. Thermoklamotten und Lagenlook ist die Devise! Oh wow, Du warst schon in Alaska? Da will ich auch unbedingt mal hin! Danke für Deine Komplimente!
      Liebe Grüße,
      Kerstin

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  3. […] Wer das Wappentier Schwedens einmal aus nächster Nähe erleben möchte, hat in Lappland eine realistische Chance die eher scheuen Riesen zu sichten. Uns lief beim letzten Lappland-Besuch beispielsweise eine ganze Elchfamilie über den Weg. Mehr über Elche erfährst Du hier. […]

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