Jahresrückblick 2020 – von Corona, einem Heimatliebe-Sommer und vom Loslassen

Wenn mir Anfang des Jahres jemand prophezeit hätte, dass 2020 die ganze Welt durch eine Pandemie stillstehen würde, dann hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass derjenige zu viele Blockbuster gesehen hat. Denn das, was sich dieses Jahr abspielte, ist so bizarr, dass es mir zuweilen wie der Inhalt eines Films vorkommt. Ein unsichtbares Virus, das sich in ungekanntem Tempo über die Welt verbreitet und in jede Menge Tote und einen weltweiten Lockdown resultiert. Ein Virus, das uns davon abhält, genau das zu tun, was wir Menschen in Krisensituationen tun: (Physisch) füreinander da sein, uns gegenseitig unter die Arme greifen und uns umarmen.

Nur leider handelt es sich hierbei nicht um einen Film, den man nach Ablauf im Kinosaal zurücklässt. Wir stecken noch mittendrin, in Covid-19. Wohl das (Un)Wort des Jahres 2020. Komm mit auf einen Rückblick auf mein Coronajahr 2020!

 

Ein hoffnungsvoller Jahresbeginn

Und dabei sollte 2020 doch das Jahr werden, für das ich so viele Hoffnungen hegte. 

Den Jahreswechsel 2019/ 2020 verbrachten mein Freund, unser Sohn und ich mit Freunden im schönen Allgäu. Der letzte Akt meines Mutterschutzes. Denn hier in den Niederlanden ist der normalerweise nur 3 Monate nach der Geburt, ich hatte schon auf fünf verlängert. 

Zum Jahreswechsel im Allgäu, als die Welt noch nicht aus den Fugen war

So traurig ich es fand, unseren Kleinen zwei Tage die Woche weg zu geben, so sehr freute ich mich auf ein paar Tage pro Woche für mich selbst. Denn ja, auch Arbeiten gehen fühlt sich auf einmal wie “Zeit für sich selbst” an, wenn man ein Kind hat. Alle Mamas werden mich verstehen. 

Der erste Tag in der Kindertagesstätte verlief prima, der Kleine war noch zu klein um wirklich zu verstehen, was da vor sich ging, die Betreuerinnen kümmerten sich unglaublich liebevoll um ihn und versorgten uns kontinuierlich mit Fotos und Berichten, was das Gewissen beruhigte. Auch das Zurückkommen auf die Arbeit fühlte sich nach wenigen Tagen bereits an, als ob ich nie weg gewesen wäre. Für meinen Blog segelten die ersten vielversprechenden Kooperationsangebote ins Postfach, die erste davon fand bereits im Januar statt. Ich war mir sicher: Dieses Jahr wird wieder ein tolles Reisejahr. Alles verlief nach Plan.

 

Dauerkrank 

Was ich in meiner enthusiastischen Planung außer Acht gelassen hatte: Kinderkrankheiten. Klar weiß ich, dass Kinder oft krank sind und ihr Abwehrsystem sich erst langsam aufbauen müssen aber ich war nicht davon ausgegangen, dass unser Kleiner durch den Kontakt zu den anderen Kindern in der Kindertagesstätte zwei Monate lang dauerkrank sein würde. Sobald eine Krankheit abgeklungen war, kam die nächste. Es schmerzte mein Mamaherz, unseren Kleinen so elend zu sehen. Das Jonglieren von Arbeit, Krankheitstagen und schlaflosen Nächten zehrte an unseren Kräften. Selbst ein kinderloses Wochenende (mit dank an Oma und Opa) mussten wir frühzeitig abbrechen, da sich mein Freund eine Magen-Darm-Grippe einfing. 

 

Corontäne in den Niederlanden

Anfang März schien unser Kleiner endlich die ersten Kinderkrankheiten hinter sich gelassen zu haben. Doch die Freude über etwas Normalität war von kurzer Zeit, den am 15. März ging die Niederlande in den ersten Corona-Lockdown. Alle gastronomischen Betriebe, alle Schulen und auch die Kindertagesstätten machten auf unbestimmte Zeit zu und von nun an sollte der Abstand von 1,5 m unser Zusammenleben bestimmen. Was im Gegensatz zu anderen Ländern nicht eingeführt wurde, war der Mund-Nasen-Schutz (lediglich in öffentlichen Verkehrsmitteln). Über dessen Wirksamkeit sollte der Niederländer noch eine lange Zeit debattieren. Die Ansage, Abstand zu halten in Verbindung mit dem wunderschönen Wetter, das uns pünktlich zum Lockdown-Beginn beschert wurde, sorgte für leere Städte und volle Strände und Naturgebiete. Zeitweise wurde strikt davon abgeraten – der Niederländer hat es nicht so mit Verboten – Strände und Naturgebiete zu besuchen. 

Corontäne in den Niederlanden
Unser neu bepflanzter Garten war unsere Rettung während des Lockdowns

Mein Freund und ich versuchten derweil drei fehlende Tage Kinderbetreuung die Woche – zwei Tage Kindertagesstätte und einen Oma-Tag – bestmöglich aufzufangen. Der eine Tag pro Woche, der eigentlich meinem Blog gehört, wurde hinfällig und ich arbeitete nur zwei statt eigentlich drei Tage, auch mein Freund ging von vier Arbeitstagen auf drei zurück. Das Wetter meinte es die komplette Corona-Lockdownzeit gut mit uns, wir waren unglaublich glücklich über unser schönes Zuhause mit Garten, den lieben Nachbarn, mit denen wir täglich Gespräche über den Gartenzaun führten und der vielen Natur direkt vor unserer Haustüre. Da die Bau- und Gartenmärkte in den Niederlanden nicht geschlossen waren, machten wir uns an das Projekt Gartengestaltung, welches einen Großteil der Sommermonate in Beschlag nehmen sollte. Einer der wenigen Blogbeiträge, die in dieser Zeit auf meinem Blog erschien ist Urlaubsstimmung Zuhause: 22 Tipps zum Wegträumen.

 

Reisen mit Nachwuchs

Die erste Reise als Familie nach der ersten Coronawelle führte uns im Juni zusammen mit meiner lieben Bloggerkollegin und Freundin Taklyontour für eine Kooperation nach Castricum, wo wir die nagelneuen DuinKebbins auf dem Campingplatz Geversduin testeten. Was schnell deutlich wurde: Die Notwendigkeit, bei einer Kooperation viel Content zu generieren, kollidierte mit den Bedürfnissen unseres Kleinen nach Regelmäßigkeit und seinen Schlafenszeiten. Die Folge: Kooperationsreisen werde ich zukünftig alleine unternehmen.

Zudem stellten wir wenig später bei der Reise zu meiner Familie in Deutschland fest, worin der Grund lag, dass der Kleine im Auto immer wie am Spieß brüllte: Ihm war schlecht. Leider scheint er die Reiseübelkeit im Auto, die sowohl mein Freund als auch ich als Kinder hatten, geerbt zu haben. Das war dann auch der Grund, warum wir auf unserer kleine Familienauszeit im Schwarzwald das Auto außer zu An- und Abfahrt komplett stehen ließen. Auch merkten wir, dass wir die Anzahl der Unternehmungen auf Reisen zurückfahren müssen und nicht mehr alles planen können. Eine komplett neue Erfahrung.

Aktivurlaub in Zeeland: Ein Haus am Meer auf dem Brouwersdam145
Nichts ist mehr wie es war: Reisen mit Kind

 

Meine Reisen 2020

Trotz des Coronajahrs 2020 war ich letztendlich doch recht viel unterwegs. Das Reisejahr war nur sehr viel konzentrierter auf die Sommermonate als ich mir das vorab gewünscht hätte. Auch fehlen noch viele Blogbeiträge zu den von mir gemachten Reisen – etwas, das ebenfalls der derzeitigen Situation geschuldet ist. 

Generell war ich dieses Jahr lediglich in zwei Ländern unterwegs – meiner niederländischen neuen Heimat und meiner alten Heimat Deutschland. Und dennoch war dieses Jahr reisetechnisch sehr divers. Dieses Jahr hat auf jeden Fall bewiesen, dass es auch im Kleinen viel mehr zu erleben gibt, als man auf den ersten Blick vermutet. Dies beweist auch mein Artikel “Die schönsten Badeseen und Strände rund um Haarlem”, welche meine Lieblingsbadeorte rund um meinen Wohnort Haarlem vorstellt. 

 

Januar: Baumhaus in Drenthe, Niederlande

Mitte Januar ließen meine beste Freundin und ich es bei einem Mädelswochenende in der niederländischen Provinz Drenthe so richtig gut gehen. Nicht nur ging mein lange gehegter Traum von einer (letztendlich zwei) Übernachtung(en) im Baumhaus in Erfüllung, sondern wir genossen tolle Gespräche vor dem Kamin, leckeres Essen, ein Bad im privaten Hot Tub unter dem Sternenhimmel und die wunderschöne Natur des Dwingerveld Nationalparks. Ein Wochenende zum Auftanken! 

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Juni: DuinKebbin in Castricum, Niederlande

Auch im Juni durfte ich eine besondere Unterkunft testen: Die nagelneuen DuinKebbins, welche zu den besonderen Unterkünften auf dem Campingplatz Geversduin zählen. Obwohl das Wetter für Juni-Verhältnisse nicht so toll war, hatten wir in den tollen Unterkünften mit Glasfront doch das Gefühl, draußen zu sein obwohl wir drinnen saßen. Zudem machten wir tolle Ausflüge in die Umgebung. 

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Juni: Schwarzwald und schwäbische Heimat, Deutschland

Das lang ersehnte Wiedersehen mit meiner Familie fand im Juni statt. Unseren Besuch in meiner alten, schwäbischen Heimat verbanden wir mit einigen Tagen zu dritt im Schwarzwald. Bei fantastischem Sommerwetter genossen wir die Gesellschaft meiner Familie, ließen es uns (kulinarisch) gut gehen und erkundeten die Wanderwege zwischen Schönbuchtrauf, Weinbergen, Streuobstwiesen und Fichtenwald. 

 

Juli: Floss bei Fort Uitermeer, Niederlande

Wieder einmal so eine tolle, besondere Unterkunft. Dieses Mal gönnten eine Freundin und ich uns eine kinderlose Nacht auf einem Floss, welches in einem kleinen Hafen neben einem alten Turmfort, Fort Uitermeer, dümpelt. Zudem gingen wir auf einer Wanderung rund um das Naardermeer beinahe auf (ungewollte) Tuchfühlung mit einem wilden Ochsen, bekamen nasse Füße und genossen den Sonnenuntergang mit Blick aufs Wasser. 

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Juli: Cabiner in Drenthe, Niederlande

Die niederländische “Wildnis” in den Wäldern der niederländischen Provinz Drenthe lernte ich bei einem Trekking-Wochenende mit meinem Freund kennen. Insgesamt acht hochmoderne und nachhaltige Wikkelhouses wurden mitten im Nationalpark Drentsche Aa installiert und bieten (Mehrtages-)Wanderern ein einfaches aber urgemütliches Unterkommen für die Nacht – inmitten der Natur. Zwei Nächte und drei Tage tauchten wir ein in die Natur – und kamen tiefenentspannt zurück. 

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Juli: Schwäbische Alb, Deutschland

Im Rahmen einer Pressereise durfte ich im Juli spannende, nachhaltige Projekte auf der Schwäbischen Alb kennenlernen. Wir machten nicht nur Bekanntschaft mit einer Albschäferin, die mit ihrer Herde zur Aufrechterhaltung der Artenvielfalt beiträgt, sondern auch eine “Schneckenflüsterin” und einen Spätzle-Pionier, der seine Vision einer grünen Zukunft in einer ehemaligen Soldatensiedlung umsetzt. Ich liebe solche Projekte. Mehr darüber auch ganz bald auf dem Blog. 

 

August: Harz, Deutschland

Einmal im Jahr gehe ich noch immer mit meiner (recht großen) Familie in den Urlaub. Dieses Jahr verschlug es uns in den Harz. Zwischen zahlreichen Wanderungen zu schroffen Felsformationen, zauberhaften Hexenhäuschen und verwunschenen Seen, der ehemaligen Ost-/ Westgrenze, Bergwerken, einer Fahrt mit der Brockenbahn und der legendären Teufelsmauer feierten wir gemeinsam den ersten Geburtstag unseres Sohns. 

 

August: Haus am Meer in Zeeland

Gemeinsam mit drei Freunden verbrachten wir ein wunderbar, stürmisch-gemütliches Wochenende in der niederländischen Provinz Zeeland. In einem tollen Häuschen mit Blick aufs Wasser. Balsam für die Seele, so ein Wochenende im Kreise von Freunden in einem Coronajahr.

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September: Niederländische Hansestädte

Nicht nur ein, zwei, sondern drei Wochenenden im September radelte ich durch insgesamt neun niederländische Hansestädte, die mich durch ihren Charme, ihre Geschichte und ihren jeweils ganz eigenen Charakter verzauberten. Eines meiner absoluten Reisehighlights in diesem Jahr. Bald auch noch mehr darüber auf dem Blog! 

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September: Utrecht, Niederlande

Ende September verbrachte ich drei – leider sehr regnerische – Tage in der kleinen Schwester von Amsterdam, Utrecht. Diese überraschte mich mit ihren römischen Spuren, fantastischen Aussichten, interessanten Geschichten, verborgenen Hinterhöfen, vegetarischen Restaurantperlen und toller Street Art. Bald mehr darüber auf dem Blog.

 

Oktober: Schwäbische Alb, Deutschland 

Einen letzter Heimat- und Familienbesuch vor dem erneuten Lockdown – natürlich mit negativem Coronatest – konnte ich glücklicherweise mit einem zweitägigen Wanderaufenthalt entlang des Albtraufs auf der Schwäbischen Alb – gemeinsam mit meiner Schwester – verbinden. Hier erwartete uns ein Kaleidoskop an schönsten Herbstfarben und Landschaften, mystisch-dramatisches Wetter und spektakuläre Aussichten. 

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Loslassen

Loslassen. Erwartungen, die man für den Urlaub als Familie hegt. Die Entdeckung, dass als neugebackene Familie plötzlich alles anders ist. Die Enttäuschung, wenn wieder etwas nicht nach Plan läuft. Für mich als Planungsfreak ist Loslassen etwas, was mir zuerst sehr schwer fiel. Bis ich das wunderbare Buch “Alles bleibt anders: Mit Kindern auf Abenteuer-Reisen / Ein Erlebnisbericht” las und mir die Augen geöffnet wurden, dass Loslassen, sich Treiben lassen und das “Anders” zu akzeptieren nicht unbedingt etwas Schlechtes ist. 

Und passenderweise ist Loslassen das, was dieses Jahr sehr treffend beschreibt. Denn mussten wir dieses Jahr nicht alle Lernen, uns gegenseitig (physisch) loszulassen, Pläne und Träume (erstmal) gehen zu lassen und uns von bis dahin Gewohntem verabschieden? Bei mir sind unzählige Reisepläne geplatzt. Manche sogar mehrmals. Vieles lief ganz anders als gewohnt und während ich diese Zeilen schreibe, sitzen wir erneut im Lockdown. Aber: Es kommen auch wieder andere Zeiten und all das Schöne läuft nicht davon.

Das Wichtigste ist letztendlich unsere Gesundheit und die unserer Lieben. Wir müssen uns glücklich schätzen, ein – vor allem jetzt in den Wintermonaten – warmes Dach über dem Kopf zu haben, in einer Zeit zu leben, in dem Internet und Telefon Abstände überbrücken können und ein Sozialsystem im Rücken zu wissen, das uns auffängt, sollten wir dieser Krise geschuldet unsere Jobs verlieren. 

Mit eben diesen Worten möchte ich diesen Jahresrückblick abschließen. Ich hoffe, dass Du trotz allem diesem Jahr einige positive Aspekte abgewinnen konntest, dass Du und Deine Lieben gesund und wohlauf sind und Du einen schönen, ruhigen Jahreswechsel verbringst! 

Vielen Dank auch all meinen treuen Lesern für Eure Likes, Kommentare und Rückmeldungen. Ich weiß, dass ich dieses Jahr lediglich in unregelmäßigen Abständen präsent war aber das ist in Ordnung. In einem Coronajahr ist es vollkommen okay, wenn eben alles etwas anders läuft. Soviel zum Loslassen ;-)

In diesem Sinne: Macht’s Euch schön und bleibt gesund!

Alles Liebe, 

Kerstin

Folge uns Kerstin:
Kerstin hat schon früh gemerkt, dass es sich lohnt, über den "Tellerrand" hinaus zu blicken und ihr Herz inzwischen an viele Orte verloren. Auf paradise-found.de erzählt sie von ihren Reiseerlebnissen, (versteckten) Lieblingsorten und gibt ausführliche Tipps zum Nachreisen.

  1. Endres Herbert
    | Antworten

    Hallo liebe Kerstin,
    der Aussage, das wichtigste ist letztendlich die Gesundheit und die unserer Lieben, kann ich nur eingeschränkt zustimmen. Im Hinblick auf die Ewigkeit ist es letztendlich nur wichtig, dass wir uns auf der Reise zum Himmel befinden. Die Kosten dieser Reise können wir nicht selber aufbringen, nur Gott selber konnte sie tragen.
    lieben Gruß
    Herbert

    PS: ich weiß das ist alles sehr abgekürzt, aber ich hatte einfach den Impuls dir das zu schreiben.

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