Leinen los: Die Mecklenburgische Seenplatte mit dem Floß entdecken

Leinen los: Die Mecklenburgische Seenplatte mit dem Floß entdecken

Irgendwie hegt doch so ziemlich jedes Kind denselben Traum: Einmal verwegen wie Huckleberry Finn auf einem Floß zu schippern, immer dem Abenteuer entgegen.

Als Kind ging dieser Traum für mich leider nie in Erfüllung. Dafür aber an einem wunderschön spätsommerlichen Septemberwochenende 2015. So versammelten sich eine Handvoll liebster Freunde im Örtchen Neustrelitz um gemeinsam die “wilden Fluten” der Mecklenburgischen Seenplatte zu bezwingen. Im Gepäck: ein Hund, ein Faltboot, ein Baby und jede Menge Proviant. Schließlich soll ja keiner verhungern oder verdursten. 

Mecklenburgische Seenplatte mit dem Floß

Unser Floß-Vermieter trägt den Namen des halbwüchsigen Freundes von Huckleberry Finn: Tom Sawyer. Ein gutes Omen, so denke ich mir. Mit dem Proviant auf Karren gestapelt machen wir uns auf den Weg über den Bootssteeg. Zum Floß. Doch hier liegt nicht nur eines, nein, vor uns liegt die komplette Palette des Floß-Vergnügens. Ob miniklein mit Zeltaufbau oder riesengroß, einem Bungalow auf dem Wasser ähnelnd. Unser “TS660” – so der offizielle Name – trägt den Namen Jim und bietet mehr als genug Platz für 8 Personen. Vorne eine große Plattform, ein Häuschen mit ausreichend Sitzmöglichkeiten, Arbeitsplatte, Tisch und Campingtoilette (über das Kloexperience kann ich leider nicht berichten, da wir diese nicht benutzten) und hinten nochmal eine kleine Plattform, an der auch die Leiter für Badefreunde befestigt werden kann. Darüber hinaus kann man auch das Dach beklimmen. Aufgrund des Aussehens sofort liebevoll “Gartenlaube” getauft, wird unser Häuschen eingeweiht und mit Proviant bestückt. Es folgen eine kurze Einführung und Inspektion des Floßes und dann endlich heißt es “Leinen los!”.

Die Mecklenburger Seenplatte mit dem Floß entdecken Die Mecklenburger Seenplatte mit dem Floß entdeckenMecklenburgische Seenplatte mit dem FloßDoch wir kommen nicht weit. Nachdem der Motor anfangs zufrieden vor sich hin schnurrt und wir gemütlich vorankommen geht nach kurzer Zeit nichts mehr. Der Motor qualmt und stottert, wir kommen nur noch im Schneckentempo voran. Ein Blick aufs Wasser verrät das Übel. Wir stecken inmitten der Algen. Da hilft wohl nur noch eines: Paddel schnappen und mit Muskelkraft aus dem Algenfeld paddeln. Merke nach 15 Floßminuten: Immer auf der richtigen Seite der Bojen fahren. 

Die Mecklenburger Seenplatte mit dem Floß entdecken Mecklenburgische Seenplatte mit dem FloßDie Mecklenburger Seenplatte mit dem Floß entdeckenNachdem wir das Algenfeld erfolgreich hinter uns gelassen haben und das per Gaskocher erwärmte Wasser für die erste Runde Tee und Kaffee gesorgt hat wird es Zeit für ein richtiges Frühstück. Dieses haben wir nämlich aufgrund der Frühe der Floßübernahme (9 Uhr) aufs Floß selbst verlagert. Und was für ein Mahl da vor meinen Augen aus der Kühltasche hervorgezaubert wird (ich selbst war für die Floß-Orga zuständig, daher hatte ich keine Ahnung was es an Essen geben würde): Knusprig-frische Brötchen, Wurst und Käse in jeweils 10 Sorten, Tomaten, Eier, selbstgemachte Marmelade, Honig, Kekse, Schokolade uvm. Lecker! Und mit einem Ausblick auf das Wasser und die vorbeiziehenden Boote, deren Besitzer uns freundlich zuwinken schmeckt das Frühstück gleich zweimal so gut. 

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Nach einem ausgiebigen Frühstück holen wir unseren Anker ein und machen uns auf den Weg durch den Kanal zur Schleuse. Diese verbindet den Zierker See mit dem wesentlich tiefer liegenden Woblitzsee. Alsbald kommen wir bei der Schleuse an. Doch hier ist erstmal kein Weiterkommen. Wir legen an und warten. Anfangs überlegen wir ob der Schleusenwärter wohl Mittagspause macht. Doch ein Schild weißt darauf hin, dass diese Schleuse eine “Selbstbedienerschleuse” ist. Woran liegt also die lange Wartezeit? Das Geheimnis lüftet sich nach ca. 45 weiteren Warteminuten. Die Schleuse öffnet sich und heraus kommt – ein Berufsschifffahrtsboot. Wie wir später erfahren können diese Boote die Schleuse längere Zeit vorher blockieren, sodass sie ungestört durchfahren können. Merke: Lieber mehr als zu wenig Zeit einplanen und nicht aus der Ruhe bringen lassen. 

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Ab jetzt stellt sich die Tiefenentspannung ein. Träge räkeln wir uns auf unseren Stühlen oder dem Dach in der inzwischen warm scheinenden Spätsommersonne, die Schuhe werden von den Füßen gekickt und wir genießen die Ausblicke auf die langsam vorbeidümpelnde Landschaft und den See, welcher ab und zu von einem anderen Floß, Boot oder Kanu durchpflügt wird. Ein testender Zehencheck ergibt, dass die Wassertemperatur Mitte September für ein Bad leider nicht mehr gemütlich ist.  Die Mecklenburger Seenplatte mit dem Floß entdeckenDie Mecklenburger Seenplatte mit dem Floß entdeckenDie Mecklenburger Seenplatte mit dem Floß entdeckenDie Mecklenburger Seenplatte mit dem Floß entdecken

Diejenigen von uns, die ein wenig Bewegung lüsten setzen sich abwechselnd ins Faltboot und paddeln eine Runde. Eine willkommene Abwechslung und ein schöner Perspektivenwechsel. “Schon echt cool!” denke ich als ich unseren “Jim” mal mit Abstand betrachte. Am liebsten will ich ihn nicht mehr hergeben. Weiter geht die Fahrt durch einen wunderschönen, natürlichen Kanal zum Großen Labusee. Hier ist leider – viel zu schnell – der Umkehrpunkt für uns gekommen. Schließlich müssen wir um 18 Uhr zurück beim Floßvermieter sein. 

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Während die Spätnachmittagssonne alles in ein sanftes Licht taucht dümpeln wir langsam wieder zurück, vom Großen Labusee zum Woblitzsee, dann zur Schleuse, durch die wir in einem “Rutsch” fahren (ganz schön spannend, wir sind das erste Boot in der Schleuse und fühlen uns ein wenig wie beim Rafting als das Wasser durch die Schleusentür hereinschießt). Viel zu schnell nähert sich der Uhrzeiger der 6. Die Rückfahrt verbringe ich meist träumend auf dem Dach des Floßes. Träumend von noch mehr Abenteuer, Natur und Freiheit. Träumend von einem längeren Floßaufenthalt. Denn dass dies nicht meine letzte Floßfahrt war steht jetzt schon fest. Ich komme wieder! Und dieses mal für länger! 

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Tipps

  • Die Mecklenburgische Seenplatte mit dem Floß zu entdecken ist meiner Meinung nach die beste Wahl. Das gemächliche Tempo und die gemütliche Atmosphäre des Floßes sorgen für Tiefenentspannung.
  • Die Nebensaison eignet sich hervorragend für eine Floßfahrt. Wie wir vom Vermieter erfahren steht man in der Hochsaison teilweise stundelang an den Fähren
  • Idealerweise bucht man ein Floß über Nacht. Leider waren wir 3 Monate vorher schon zu spät für ein Floß mit 6 Schlafplätzen. Also: Früh buchen lohnt sich!
  • Gebucht haben wir das TS660 Jim bei Tom Sawyer Tours (es gibt aber auch jede Menge andere Veranstalter). Dieses hat uns für einen ganzen Tag von 9 – 18 Uhr für 8 Personen gerade mal 135,- € gekostet. Exklusive Sprit (hat uns ca. 20,- € gekostet) und einer Kaution von 250,- € (die man natürlich wieder zurück bekommt).
  • Über Nacht kostet das TS660 130,- € (von 13 bis 10 Uhr am Folgetag) und 195,- € (von 9 bis 10 Uhr am Folgetag). Fair, wie ich finde. Das TS660 bietet 4 Schlafplätze an Bord.
  • Für das Fahren des TS660 ist kein besonderer Bootsführerschein nötig.
  • Übernachtet haben wir im schönen Ferienpark Mirow, direkt am See. Besonders empfehlenswert sind die Häuschen mit Sauna.

Und wann gehst Du auf große Fahrt mit dem Floß?

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Kerstin
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Kerstin hat schon früh gemerkt, dass es sich lohnt, über den "Tellerrand" hinaus zu blicken und ihr Herz inzwischen an viele Orte verloren. Auf paradise-found.de schreibt sie von ihren Reiseerlebnissen, (versteckten) Lieblingsorten und gibt wertvolle Reisetipps.

2 Antworten

  1. […] Trekking im marokkanischen Atlasgebirge, die Übernachtung auf einer Almhütte in Südtirol, die Flossfahrt auf der Mecklenburgischen Seenplatte und der Roadtrip auf der irischen Dingle Peninsula einfach einmalig waren habe ich mein schönstes […]

  2. […] Floßfahren auf der Mecklenburgischen Seenplatte […]

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