Rivierenland Holland

Rivierenland – besondere Unterkünfte & Outdoor-Aktivitäten im wasserreichen Obstgarten der Niederlande

Reisen. Entdecken. Neues ausprobieren. Spannenden Geschichten lauschen. Sich überraschen und inspirieren lassen. Und einfach Genießen. Um all das zu Erleben braucht es keine Fernreise. Spätestens seit Corona wissen wir, dass das Gute manchmal so nah liegt. In diesem Fall liegt das Gute im Rivierenland in den Niederlanden, ein Ort der bis vor kurzem so gar nicht auf meinem Reiseradar lag und mich genau deswegen bei meinem Aufenthalt im Mai unglaublich zu überraschen und begeistern vermochte. 

Das Rivierenland

“Rivierenland?” höre ich Dich jetzt sagen. Das Rivierenland (= Flüsseland) liegt im grünen Herzen der Niederlande und bezeichnet die von großen Flüssen umschlossenen niederländischen Regionen Betuwe, Bommelerwaard und Land van Maas en Waal. Wie der Name schon verrät, ist das Rivierenland für seine einzigartige Verbindung von Wasser und Land bekannt: Gewundene Deiche, an die sich schnuckelige alte Reetdachhäuser schmiegen bilden die Trennungslinie zwischen den Flüssen mit dem naturbelassenen Deichvorland und dem durch den Lehm der Flüsse sehr fruchtbaren Land dahinter. 

Das Reizvolle am Riverenland sind meiner Meinung nach die Gegensätze, welche hier aufeinander treffen: Industrielle Einflüsse in Form von mächtigen Frachtschiffen, die über die Flüsse Neder-Rijn, Lek, Waal und Maas ziehen. Gleichzeitig wird die Gegend als “Obstgarten der Niederlande” vom Obstanbau und der Landwirtschaft bestimmt – etwa ein Drittel des niederländischen Obsts stammt aus dem Rivierenland. Dennoch findet man um jede Ecke – oft auch im Deichvorland – Naturoasen mit friedlich grasenden Wildpferden, Hochlandrindern und sogar Bibern. Und dazu tolle Menschen, die mit ihren Hofläden, zauberhaften Teegärten, besonderen Unterkünften und Projekten der Region Leben und Einzigartigkeit einhauchen. 

Die beste Zeit für einen Besuch? Im Rivierenland wohnt jeder Saison ein eigener Zauber inne. Im Frühling betören die Obstbäume mit ihrer Duft- und Blütenpracht, im Sommer spielt sich das Leben auf oder entlang der Flüsse ab und der Spätsommer und Herbst stehen ganz im Zeichen der Obsternte mit dem Höhepunkt des Fruitcorso in Tiel, einem jährlich im September stattfindenden Umzug mit riesigen, kunstvoll aus Obst und Gemüse erstellten Figuren. Und im Winter? Prägen Stille und eine magische Lichtstimmung das Landschaftsbild. 

Ein wenig bedauere ich, dass ich die Obstblüte verpasst habe, zu meinem Besuch Anfang Mai blühen nur vereinzelt noch einige Bäume. Dafür bezaubern sämtliche Wiesen mit ihrer Blütenpracht und beinahe jede Straße ist von einem gelb-weißen Streifen aus Raps und Schafgarben gesäumt. Ein tolles Bild! 

 

Besonders Übernachten im Rivierenland

Auf meinem 3-tägigen Streifzug durchs Rivierenland habe ich das Glück, gleich 2 besondere Übernachtungsmöglichkeiten testen zu dürfen. Beide einzigartig und doch so unterschiedlich. Weitere besondere Unterkünfte im Rivierenland findest Du auf der Webseite von Das Andere Holland.

 

Ruysbos

Bei meiner ersten Unterkunft im Rivierenland habe ich die Ehre, eine Premiere miterleben zu dürfen: Ich darf als allererster Gast in einem der drei nagelneuen Waldcottages im wunderbaren Ruysbos nächtigen. Der Ruysbos ist eine kuriose Mischung aus Birnenbaum- und Pappelwald entlang eines Flüsschens. Drum herum befinden sich weite Felder soweit das Auge reicht. 

In diesem Wald versteckt sich die besonderen Unterkünfte des Ruysbos
Geschichte des Ruysbos

Warum ausgerechnet hier ein Wald steht? In der Nachkriegszeit wurde an der Stelle des heutigen Ruysbos ein Obstgarten mit Kochbirnen angelegt. Die Besitzer waren fanatische Tennisspieler und Gründer des lokalen Tennisclubs. Daher durfte ein Tennisplatz auf dem Gelände natürlich nicht fehlen. Schließlich durfte das sportive Vergnügen neben der Birnenpflege und -ernte nicht zu kurz kommen. Auch ein Gebäude zum Zweck der Birnenverarbeitung wurde gebaut. In den 1970er Jahren wurde die Birnenernte eingestellt und zusätzlich Pappeln gepflanzt, mit dem Ziel, deren Holz in der familieneigenen Möbelfabrik zu verarbeiten. Zu letzterem kam es aber nie. 

Besondere Unterkünfte im Ruysbos – Glampingzelte & Naturhaus

Und so kam es, dass die Famlien Ansen-Posthouwer und Gerritsen-Ansen (Vater Rob, Mutter Josien, Tochter Marlies und deren Mann Anton) im September 2019 einen kuriosen 2,5 Hektar großen Birnen- und Pappelwald mit Tennisplatz und einem Gebäude erstanden. Innerhalb von sieben Monaten entstanden die ersten Unterkünfte, Glampingzelte am Wasser für bis zu 6 Personen. Neben einer komplett ausgestatteten Küche (sogar mit Geschirrspülmaschine), eigenem Badezimmer und Toilette verfügen die Zelte auch über einen Pellet-Kamin und einen holzbefeuerten Hottub, sodass sie auch in den Wintermonaten vermietet werden können. Genial: Die kleine Spielhütte unter dem Kinderschrankbett. 

Zudem wurde das bestehende Gebäude zum 8-Personen-Naturhaus umgebaut und ein liebevoll gestalteter Spielplatz mit u.a. einem großartigen Baumhaus angelegt. Zur aktiven Freizeitgestaltung der Gäste werden Kanus, Ruderboote, Fahrräder und Tennisschläger angeboten. Durch Corona und die Lage in der Natur erfreuten sich die Unterkünfte von Anfang an großer Beliebtheit. 

Nagelneue Glamping-Unterkunft im Ruysbos: Die Waldcottages

Daher war es in diesem Jahr an der Zeit, nachzulegen und das Angebot wurde um drei Waldcottages ergänzt. Wald ist in diesem Fall Programm, denn die Häuser befinden sich mitten im Ruysbos und das allererste, was man nach dem Aufwachen hört, ist das Zwitschern der Vögel in den Bäumen. Ein Traum! Die Waldcottages sind Tiny Houses mit allem, was 2-3 Personen für einen angenehmen Aufenthalt benötigen. Sie sind ausgestattet mit einem Doppelbett, einem Schlafsofa, Stühlen und Tisch, kleiner Kochnische mit Wasserkocher, Nespresso Kaffeemaschine, Mikrowelle, Eierkocher und Kühlschrank.Zudem gibt es ein Badezimmer mit Toilette und Regendusche. Im Außenbereich gibt es eine Terrasse mit Sesseln, Tisch, Picknicktisch und Feuerschale sowie einen Hottub für 2 Personen. Neben den Waldcottages gibt es noch eine zusätzliche, überdachte Außenküche (die zu meinem Aufenthalt noch nicht fertiggestellt war, daher gibt es davon keine Bilder).

Ruysbos Rivierenland
Mega happy, als erster Gast im blauen Waldcottage im Ruysbos zu nächtigen!

Das Erste, was mir an meinem Waldcottage auffällt, ist – neben der umwerfenden Lage mitten im Wald – die unglaubliche Liebe zum Detail. Egal wohin das Auge fällt, überall befinden sich kleine, aufmerksame Details. Von den verspielten, tierischen Aufhängern, den liebevoll miteinander kombinierten Mustern und Materialien bis hin zur persönlichen Notiz, den Aufenthalt zu genießen. Kombiniert mit der Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft meiner Gastgeber ein wundervolles Gesamtpaket und eine Umgebung, in der man sich nur wohlfühlen kann. 

Am Abend habe ich die Qual der Wahl zwischen der Feuerschale und dem wohlig warmem Hottub – letztendlich nutze ich beide, da ich mich nicht entscheiden kann. Schließlich kann ich zu einem Lagerfeuer nie nein sagen aber kann mir natürlich auch nicht die Gelegenheit einer beleuchteten “Badewanne” mit Waldkulisse entgehen lassen. Und so kommt es, dass es auch schon reichlich spät ist, als ich in mein bequemes Bettchen krieche. Aber macht nichts, Wecker gibt’s am nächsten Morgen keinen. Am nächsten Morgen begrüßt mich ein Vogelkonzert und dramatischer Nebel in den Bäumen. Gut gelaunt ziehe ich los zum “Brothäuschen”, wo der Bäcker jeden Morgen für jede Unterkunft eine eigene Tüte frischer Brötchen deponiert. Was für ein toller Service!

Ein letztes Mal nehme ich in den sonnengelben Stühlen vor meinem blauen Cottage Platz und lasse mir mein Frühstück mit den frischen Brötchen und tollen, regionalen Produkten aus meinem Geschenkkorb (alle übrigens zu kaufen bei De Zandroos, siehe unten) schmecken während ein Hase nur wenige Schritte neben mir vorbeihoppelt. Ein wenig schmerzt mein Herz, dass ich nicht länger an diesem einzigartigen Ort bleiben kann aber gleichzeitig weiß ich, ich komme wieder. Und dann mit meiner kleinen Familie, welche das Gelände ebenfalls bezaubern wird, da bin ich mir ganz sicher. 

TIPPS FÜR DEN RUYSBOS



  • Der Ruysbos und seine besonderen Unterkünfte befindet sich im Zegeweg 1 in Altforst. Wer hier bucht, hat die Qual der Wahl zwischen 6-Personen-Glampingzelten, einem 8-Personen-Naturhaus und den neuen 2- bis 3-Personen-Waldcottages.

  • Alle Unterkünfte sind ganzjährig buchbar. Das 6-Personen-Glampingzelt wird im Winter mit einem zusätzlichen Ofen, dicken Deckbetten, Wärmflaschen und einem Fernseher versehen, das Badezimmer kann sowieso ganzjährig geheizt werden. Alle Unterkünfte haben einen eigenen Hottub und eine Feuerschale, Holz wird gestellt. Zudem gibt es jeden Morgen einen im Mietpreis inbegriffenen Brötchenservice vom Bäcker. Fahrräder, Kanus, Ruderboote und Tennisschläger können ausgeliehen werden.
 

 

Das Blokhutboot (Blockhüttenboot)

Wer mich kennt, der weiß, dass ich eine Faszination für besondere, schwimmende Unterkünfte hege. Als ich hörte, dass mein Aufenthalt im Rivierenland eine Erweiterung meines Repertoires bedeuten würde, war ich natürlich direkt Feuer und Flamme. Einen Tag und eine Nacht würde ich mit dem Blokhutboot auf Tour gehen.

 

Geschichte des Blokhutboots

Beim Blokhutboot handelt es sich – wie der Name bereits verrät – um eine Kombination aus Blockhütte und Boot. Diese geniale Erfindung ist der Familie Cornelissen zu verdanken. In der familieneigenen Werft entstanden seit jeher luxuriöse Jachten, Wohn- und Rundfahrtboote. Die Idee zum Blockhüttenboot entstand 2010 aus einer Familiendiskussion, was das perfekte Boot ausmacht. Die Schlussfolgerung: Das Boot sollte Benutzerfreundlichkeit, Geräumigkeit, die Nähe zum Wasser und Komfort auf ideale Weise miteinander kombinieren. Ein Boot zum Leben eben. 

2011 entstand der erste Prototyp, welcher aus einem Gartenhaus auf einem Ponton bestand. Da dieser im Bekanntenkreis großen Anklang fand, folgte der Vermietungstest, der äußerst erfolgreich war. Damit war der Grundstein zum eigenen Betrieb gelegt und der Feinschliff des Prototyps konnte beginnen. Seit 2014 werden die Blockhüttenboote offiziell vermietet. Und das mit so großem Erfolg, dass die fahrenden Blockhütten an vier Standorten vermietet werden: In Heerewaarden, am Gouden Ham, an der Linge und im Biesbosch. Jedes der Gebiete bietet ein komplett unterschiedliches Fahrerlebnis.

Beinahe paradiesische Zustände bei einer Fahrt mit dem Blokhutboot im Rivierenland
Ausstattung des Blokhutboots 

Die Ausstattung des Blokhutboots ist inzwischen perfektioniert und ein funktioneller und gleichzeitig komfortabler Traum für 4 bis maximal 5 Personen. An Bord erwartet einen eine komplett ausgestattete Küchenzeile, ein Doppelbett, eine Sitzgelegenheit mit 2 Bänken und Tisch, die sich zum zweiten Bett umgestalten lässt, eine separate Toilette, eine teilweise überdachte “Terrasse” mit Stühlen und Tischen sowie ein Kanu. Eine Heizung, fließendes Wasser, warmes (!) Duschwasser in der Außendusche und viel Stauraum sorgen für extra Komfort. 

Blokhutboot Heerenwaarden

“Mein” Blokhutboot liegt im kleinen Hafen von Heerenwaarden, auf dem Gelände der familieneigenen Werft. Hier werden die Boote durch Glenn Cornelissen gebaut. Seine Frau Inge übernimmt die Vermietung der Boote und Einweisung der Gäste. Als ich mich den schwimmenden Blockhütten nähere, bekomme ich doch etwas Bammel, schließlich soll ich eines dieser 8,5 m langen Boote ganz alleine manövrieren. Die langsam auf der Maas vorbeiziehenden Frachtschiffe, in meinen Augen plötzlich massive Ungetüme, machen das Ganze nicht besser. Doch Inge, die mich herzlich begrüßt, nimmt mir bei der gründlichen Einführung (inklusive Instruktionsvideo) schnell alle Bedenken und schon wenige Zeit später kann die Fahrt ins Grüne beginnen. 

Da ich nicht sehr erpicht auf ein Intermezzo mit einem Frachtschiff bin, nehme ich die erstmögliche Möglichkeit, der Maas zu entfliehen und steuere De Lithse Ham an, ein Erholungsgebiet mit Baggerseen, aus denen einst Sand und Kies gewonnen wurde. Der schöne Nebeneffekt: Sandstrände! Zudem zählt De Lithse Ham zum Überschwemmungsgebiet der Maas, was bedeutet, dass sich die Natur hier frei entfalten darf und Konikpferde und Hochlandrinder als natürliche Landschaftspfleger eingesetzt werden. Zudem kann man mit etwas Glück Biber sichten. 

Bereits nach kurzer Zeit habe ich “meine” perfekte Bucht für die Nacht erspäht. Denn das Tolle ist: Mit dem Blokhutboot darf man überall anlegen. Legales wild campen auf dem Wasser sozusagen. Nun folgt noch der spannende Moment des Anlegens, welcher im Alleingang ganz schön nervenaufreibend ist, da alles gleichzeitig passieren muss. Als ich endlich fest vor Anker liege, beginnt der entspannte Teil meines Abenteuers. Schuhe aus, und mit der Sonne im Gesicht ein paar Häppchen essen. Dann auf Erkundungstour gehen, dabei Wildpferde entdecken und Feuerholz suchen. Denn: Am Strand darf man ganz legal Lagerfeuer machen. Wie genial ist das denn! Diese Gelegenheit packe ich natürlich beim Schopf und so kommt es, dass ich vor lauter Aussicht und Umgebung genießen, Lagerfeuer entzünden und gucken und Sonnenuntergang fotografieren erst zu Abend esse, als es stockdunkel ist. Hach! 

Am nächsten Morgen erwache ich bei strahlendem Sonnenschein und erblicke in der Ferne eine Herde Tiere am Ufer. Da will ich hin! Noch eben schnell die Außendusche testen und dann ab ins Kanu. Entspannt paddele ich auf die gegenüberliegende Uferseite, wo eine Herde Hochlandrinder friedlich beisammen steht. Neugierig beobachten Sie, wie ich mich mit meinem quietschgelben Kanu nähere. Mit angemessenem Abstand halte ich inne und nehme die Szene in mich auf. Ein wunderbarer Moment, nur die Rinder, der See, die Stille und ich. Anschließend paddele ich in einem weiten Bogen wieder zurück zum Blockhutboot, wo ich mir noch ein leckeres Pancake-Frühstück gönne, bevor es bereits wieder ans Packen und die Rückfahrt geht. Wehmütig werfe ich nach einem erfolgreichen Einparkmanöver im Hafen einen letzten Blick auf “mein” Blokhutboot. Viel zu kurz war dieses Abenteuer. Das schreit nach Wiederholung! 

 

TIPPS FÜR DAS BLOKHUTBOOT



  • Das Blokhutboot kann entweder für ein Wochenende (Freitag bis Montag), eine Kurzwoche (Montag bis Freitag) oder eine Woche (ab Freitag oder Montag) gemietet werden. Kostenpunkt für ein Wochenende oder eine Kurzwoche in der Nebensaison: ab 499,- € exklusive Endreinigung, Kaution, Fahrstundenvergütung und Buchungskosten.  

  • Das Blokhutboot kann an 4 verschiedenen Standorten gemietet werden: In Heerewaarden, am Gouden Ham, an der Linge und im Biesbosch.

  • Das Blokhutboot bietet Betten für 4 Personen und einen weiteren Schlafplätze auf dem Boden auf einer mitgebrachten Luftmatratze. 

  • Zum Fahren des Blokhutboots ist kein spezieller Bootsführerschein notwendig. Jede/r ab 18 Jahren darf das Boot steuern. 

  • Haustiere dürfen für 25,- € mitgenommen werden.

 

Das Rivierenland aktiv entdecken

Meine Mission ist es, das Rivierenland aktiv zu entdecken. Nachdem ich mit dem Blokhutboot und Kanu die Region bereits vom Wasser aus kennengelernt habe, kann ich es nicht erwarten, weitere Aktivitäten zu testen. Weitere Inspiration findest Du auch auf dieser Webseite. 

 

Radfahren im Rivierenland – Maas und Waal Route

Wohl keine Fortbewegungsart bietet sich in den Niederlanden mehr an, als das Fahrrad. Nirgendwo sonst sind die Fahrradwege derart gut ausgebaut und man kommt mit dem ausgeklügelten “Knooppunten”-System (unglaublich gut ausgeschildertes Knotenpunktsystem) ganz bequem von A nach B. Im Rivierenland kommen obendrauf noch 10 Fähren, die Radfahrern und Fußgängern während der Saison (vom 27. April bis 29. September) über die Flüsse schippern.

Radfahren im Rivierenland

Selbstverständlich kann auch ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lasse, das Rivierenland per Drahtesel zu erkunden. Meine Wahl fällt auf die 66 km lange Maas und Waal Route, welche durch ihre Wegführung über kurvenreiche Deiche entlang der Flüsse Maas und Waal äußerst kurzweilig ist. Die Route wird bestimmt durch die glitzernden Flüsse, das idyllische Deichvorland, malerische Dörfer und blühende Obstplantagen und gibt einen tollen Ein- und Überblick über die Region. 

Der perfekte Einkehrstopp und Zufallsfund unterwegs ist der Teegarten Theetuin Onder de Groene Hemel, bei dem ich im Rhabarberkuchen und hausgemachten Eistee-Himmel schwelge und größte Mühe habe, mich vom liebevoll gepflegten, blühenden Garten loszureißen. Auf der Karte stehen fast ausschließlich regionale, biologische und selbstgemachte Produkte. Lecker! 

Theetuin Onder de Groene Hemel

Wenig später erreiche ich Maasbommel, die kleinste Hansestadt der Niederlande mit 1345 Einwohnern. Wer mir schon länger folgt, weiß, wie sehr ich Hansestädte mag, weswegen ich mir natürlich auch hier einen kurzen Stopp nicht entgehen lassen kann. Durch seine strategisch günstige Lage an der Maas wurde Maasbommel einst zum wichtigen Knotenpunkt für die nordeuropäische Hanse. Haupteinnahmequellen waren die Korbflechterei und die Fischerei. Heute ist von der damaligen Betriebsamkeit wenig übrig geblieben und nur die prächtigen Fassaden mancher Häuser deuten auf eine reiche Vergangenheit hin. 

Durch meinen üppigen und super leckeren Geschenkkorb (unter anderem die besten Erdbeeren ever!) neugierig gemacht, statte ich dem Bauernladen De Zandroos einen Besuch ab (über einen kleinen Abstecher von der Maas und Waal Radroute erreichbar). Bereits beim Betreten des Gebäudes bin ich hin und weg: Denn direkt am Eingang steht ein riesiger Baum, der Jahreszeit entsprechend mit Blüten geschmückt. Auch der Rest des Ladens ist äußerst ansprechend eingerichtet und präsentiert Gemüse, Obst, Eingemachtes, Käse, Wurst, Säfte und Geschenkartikel aus der Region von ihrer schönsten Seite. Neben dem Bauernladen gibt es ein Café mit äußerst einladendem Außenbereich und Spielplatz, direkt angrenzend an die Obstplantagen. Wer sich nach der Völlerei im Café die Beine vertreten möchte, kann dies auf einer eigens dafür angelegten kleinen Wanderung durch die Obstbaumreihen tun. Dies ist natürlich besonders reizvoll zur Blüte der Obstbäume im Frühling aber auch zu jeder anderen Jahreszeit lohnt sich ein Besuch. 

Radfahren im Rivierenland

Ebenfalls direkt auf der Route liegt das Bistro de Bolle. Hoch auf dem Deich thront das über 100 Jahre alte Gebäude Und bietet seinen Gästen einen fantastischen Blick auf die Maas in der Ferne und das von kleinem Seen durchzogene Deichvorland. Auf der Karte werde auch ich als Vegetarierin fündig und freue mich nach nach den Strapazen der Radtour über eine üppige Portion Reis mit buntem Gemüse. 

TIPPS ZUM RADFAHREN IM RIVIERENLAND



  • Die Maas und Waal Route ist 66 km lang (ca. 4 Stunden reine Fahrzeit) und ist nicht ausgeschildert. Man folgt dem niederländischen Knotenpunktsystem von Knotenpunkt (in Zahlen angegeben) zu Knotenpunkt. Bei jedem Knotenpunkt sind alle möglichen folgenden Knotenpunkte angegeben. Eine verkürzte, etwa 40 km lange Variation der Route findest Du auf dieser Webseite. 

  • Auf dieser Webseite findest Du weitere mögliche Radtouren im Rivierenland. Abhängig von der Jahreszeit solltest Du alternativ eventuell die (Obst-)Blütenroute oder eine der Obst-Touren wählen 

  • Der Theetuin Onder de Groene Hemel befindet sich am Doorbraakdijk 11in Alphen und liegt direkt auf der Maas und Waal Fahrradroute. Da der Teegarten keinen Innenbereich hat, ist er lediglich bei schönem Wetter zwischen Ende März und Ende September von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. 

  • Der Landwinkel De Zandroos befindet sich am Van Heemstraweg 48b in Afferden und ist Dienstag bis Samstag von 09:00 – 18:00 Uhr geöffnet. Das dazugehörige Café Catootje ist von Dienstag bis Samstag von 10:00 – 17:00 Uhr geöffnet. Die Wanderung durch den Obstgarten wird als “Fruitroute“ ausgeschrieben und beginnt links vom Hauptgebäude. Der Obstgarten mit Birnen-, Apfel-, Kirschen- und Pflaumenbäumen ist übrigens kein Pflückgarten sondern eine regulär geführte Obstplantage. Das Pflücken der Früchte ist daher nicht gestattet. 

  • Bistro de Bolle befindet sich am Waalbandijk 29 in Boven-Leeuwen, liegt direkt auf der Maas und Waal Fahrradroute und ist Mittwoch bis Montag ab 12:00 Uhr geöffnet.

 

Wandern im Rivierenland – Gouden Ham Moringerwaarden

Auch auf Wanderschaft zu gehen ist im Rivierenland sehr lohnenswert. Die Wanderwege durchqueren an vielen Stellen das Deichvorland, in welchem der Natur freien Lauf gelassen wird und Konikpferde, Hochlandrinder, Kühe oder auch Schafe als natürliche Landschaftspfleger eingesetzt werden. Eine Begegnung mit den friedlichen Grasern ist daher nicht ausgeschlossen. 

Meine Wanderung führt mich in die Moringerwaarden, ein ehemaliges Überschwemmungsgebiet des Flusses Maas, bevor dieser in den 1930er Jahren begradigt wurde. Der größte Teil der Moringerwaarden wurden anschließend durch Sandgewinnung umgeformt zum Wassersportgebiet de Gouden Ham aber ein kleiner Teil des ursprünglichen Gebiets blieb bestehen. Heute befindet sich dort ein einzigartiges Natur- und Wandergebiet mit vielfältiger Vegetation und einer großen Vielfalt an Wasser- und Singvögeln. Und auch Biber haben sich hier angesiedelt (zu sehen in diesem Youtube-Video). 

Moringerwaarden Gouden Ham Wanderung

Anschließend an die Wanderung bietet es sich an, bei Moeke Mooren mit Blick aufs Wasser einzukehren. Bei schönem Wetter unbedingt einen Platz auf der Terrasse ergattern! 

Moeke Mooren Rivierenland

TIPPS ZUM WANDERN IM RIVIERENLAND



  • Im Naturgebiet Gouden Ham Moringerwaarden sind mehrere Wanderungen möglich. Startpunkt der wahlweise 2 km (blau), 5 km (rot) und 9 km (grün) langen markierten Route ist Natuurbeleving Maas en Waal, geparkt werden kann beim Hotel Moeke Mooren. Bei der grünen Route ist ein Übersetzen mit der Füßgängerfähre notwendig.  

  • Das Restaurant des Hotels Moeke Mooren befindet sich an der Blauwe Sluis 1B in Appeltern und ist täglich von 08:00 – 23:00 Uhr geöffnet.
 

 

Stand Up Paddling und High Tea im Rivierenland – River Lounge

Nachdem ich das Blokhutboot im Hafen von Heerewaarden hinter mir gelassen habe, schwinge ich mich auf mein Rad und fahre die wenigen Kilometer zum Ufer der Waal, genauer gesagt zum Anleger der Fußgänger- und Fahrradfähre. Wo ich mit dem Auto eine halbstündige und 27 km lange Fahrt auf mich hätte nehmen müssen, erreiche ich dank der Fähre innerhalb von 20 Minuten und knapp 6 km das letzte Highlight meiner Reise im Rivierenland – die River Lounge. Diese befindet sich in den Heesseltsche Uiterwaarden, was auf deutsch soviel wie das Überschwemmungsgebiet bzw. Deichvorland von Heesselt bedeutet, am Ufer des Flusses Waal.

Fähre über die Waal
Mit der Fußgänger- und Radfähre geht es über die Waal

Vor dem Deich, alleine auf weiter Flur liegt mitten in der Natur und nur einen Steinwurf von der Waal entfernt, eine kleine Ansammlung von Häuschen – der Teegarten River Lounge und die beiden dazugehörigen Wohnhäuser der Besitzerfamilie. Hätte ich diesen Ort 50 Jahre früher besucht, hätte sich mir noch ein ganz anderes Bild geboten. Die beiden Wohnhäuser waren nämlich Teil einer riesigen Steinfabrik, welche hier von 1883 bis 1974 stand und lange Zeit die meisten Bewohner der Dörfer Heesselt und Varik beschäftigte. Die ehemalige Fabrik wurde bis auf die beiden Wohnhäuser, die damals schon in Privatbesitz waren, komplett abgebrochen und nichts außer ein altes schwarz-weiß Foto in der River Lounge weist heute mehr auf deren Existenz hin. Zudem wurde das Gebiet der Heesseltscher Uiterwaarden anschließend in ein Natura 2000-Gebiet überführt und im Zuge dessen von 2016 bis 2019 neu eingerichtet, mit unter anderem der Anlegung eines neuen Seitenarms der Waal. Hierdurch wurden 210 Hektar Natur gewonnen. Für Janet, die Besitzerin des seit 2014 bestehenden Teegartens und ihre Familie bedeutet das, dass sie nun direkt am Wasser wohnen aber keinen direkten Zugang zur Waal mehr haben, was sie sehr bedauern. Genug über die Geschichte, zurück ins Hier und Jetzt.

River Lounge Heesselt
Nur ein Foto in der River Lounge erinnert an die Existenz der einstigen Steinfabrik an dieser Stelle.
Das Gelände der ehemaligen Steinfabrik von Heesselt
Die Stelle, an der einst die Steinfabrik stand ist heute ein Naturgebiet.

Dass ich an einen ganz besonderen Ort gekommen bin, merke ich bereits als ich die ersten paar Schritte in den Teegarten gesetzt habe. So viele Eindrücke prasseln auf mich ein, ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll. Gegenüber dem Eingang sind einige SUP-Boards dekorativ aufgetürmt, dahinter verbreiten Stroh-Sonnenschirme und stylische Sitzmöbel Loungevibes während im Hintergrund große Frachtschiffe über die in der Sonne glitzernde Waal ziehen. Wenn ich den Blick weiterschweifen lasse, schließt sich ein grüner, mit blühenden Topfpflanzen, Hecken und Bäumen durchzogener Garten mit gemütlichen Sitzecken an. Dahinter folgt dann das Gebäude, in dem all das Leckere, was im Teegarten gereicht wird, entsteht. Alles ist äußerst geschmackvoll dekoriert und ergibt trotz der vielen Gegensätze ein großes, einladendes Ganzes. 

River Lounge Heesselt

Herzlich werde ich von Janet in Empfang genommen und erfahre freudig überrascht, dass ein High Tea für mich vorbereitet wurde. Wie wunderbar, ich liebe High Tea. Ich werde zu einem kleinen Tischchen mit Panoramablick auf die Waal geführt und bereits wenig später trudeln die leckersten Häppchen bei mir ein. Alles selbstgemacht und mit viel Liebe zum Detail angerichtet und dekoriert. Ich starte mit einer Zucchinisuppe, dann geht’s weiter mit einem Brie- und einem Eiersalat-Sandwich um dann überzugehen zum süßen Teil: Scones mit Clotted Cream und Lemoncurd, ein Brownie und ein Carrot Cake. Ein wahres Fest für alle Sinne! 

River Lounge Heesselt

Vollgestopft bis oben hin und happy lasse ich das Ganze noch einen Moment sacken, bevor ich mich an den aktiven Teil meines Aufenthalts wage. Die SUP-Boards stehen nämlich nicht nur zur Zierde da, sie können auch ausgeliehen werden und für einen Ausflug auf dem Nebenarm der Waal genutzt werden. Das kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Aufgrund des starken Windes nur kniend, begebe ich mich auf Erkundungstour mit dem SUP. Da ich zuerst mit der Strömung und dem Wind mitpaddele, bin ich in Nullkommanix auf der anderen Seite des Nebenarms, welche ich dann zu Fuß erkunde. Der Rückweg ist dann mit etwas mehr Arbeit verbunden. Aber etwas Anstrengung ist nach der Völlerei auch gar nicht verkehrt. Nach einer ausgiebigen Besichtigung und Paddeltour kehre ich schließlich erfüllt von den Erlebnissen (und noch immer gut gefüllt von den Leckereien) wieder zurück. Ein tolles Erlebnis und eine wirklich tolle Kombination! Ein Besuch bei der River Lounge sollte definitiv zum Pflichtprogramm gehören bei einem Aufenthalt im Rivierenland. 

River Lounge Heesselt

 

TIPPS FÜR DIE RIVER LOUNGE IN HEESSELT



  • Der Teegarten River Lounge befindet sich an der Steenfabriek 3 in Heesselt. Achtung: Der Teegarten ist nicht täglich geöffnet! Die aktuellen Öffnungszeiten kannst Du immer der River Lounge Webseite entnehmen. 

  • High Tea ist ab 2 Personen möglich und muss maximal 2 Tage vorab über dieses Formular (Niederländisch aber mit Google Translate verständlich) angemeldet werden.

  • Stand Up Paddling ist von März bis September möglich, kostet 15,- € für 1,5 Stunden und beinhaltet die Miete eines SUP-Boards, einer Schwimmweste, einer wasserdichten Handytasche und eines Paddels. Anmeldung über dieses Formular.

Na, hat Dir meine Reise durchs Rivierenland ebenfalls Lust gemacht, die Region kennenzulernen? 

 

Vielen Dank an die Das Andere Holland für die Einladung zu dieser Recherchereise. Meine Meinung und meine Begeisterung bleiben meine eigene. Das Programm wurde unterstützt von:

Folge uns Kerstin:
Kerstin hat schon früh gemerkt, dass es sich lohnt, über den "Tellerrand" hinaus zu blicken und ihr Herz inzwischen an viele Orte verloren. Auf paradise-found.de erzählt sie von ihren Reiseerlebnissen, (versteckten) Lieblingsorten und gibt ausführliche Tipps zum Nachreisen.

2 Responses

  1. Maria
    | Antworten

    Heißt die Gegend Rysbos oder ist das die Bezeichnung des Waldes? Sieht schon echt schön aus dort. Würde mir auch gefallen, der erste Gast in dieser Unterkunft zu sein. :)

    • Kerstin
      | Antworten

      Hallo Maria,
      Ruysbos ist nur der Name des Grundstücks, auf dem sich die Glamping-Unterkünfte befinden. Die Region heißt Maas en Waal, in der Provinz Gelderland. Das glaube ich Dir, war auch ein einmaliges Erlebnis!
      Viele Grüße,
      Kerstin

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