Island Hopping in Norwegen: Mit dem Postschiff von Solund nach Bulandet

Island Hopping in Norwegen: Mit dem Postschiff von Solund nach Bulandet

Inselhüpfen kann man nur in Griechenland oder Kroatien? Fehlanzeige!
Hättest Du gedacht, dass man in Norwegen ganz wunderbar von Insel zu Insel hüpfen kann? Und das nicht mit irgendeinem Boot sondern mit einem echten Postboot? Wahrscheinlich nicht. Island Hopping in Norwegen zählt nämlich noch als echter Geheimtipp.

Als ich nach langer Recherche im Internet über mögliche Ausflugsziele von Bergen aus unverhofft über den Tagesausflug „Island hopping from Solund to Bulandet“ stolperte war ich direkt Feuer und Flamme. Um kurz danach frustriert feststellen zu müssen, dass das Postboot nur unter der Woche und nicht am Samstag fährt. Mist! Kurzerhand buchten wir unseren Hinflug auf einen Tag früher um, verschoben unser gesamtes Programm um einen Tag nach vorne – und bereuten es keine Sekunde. Aber von vorne.

DIE ROUTE

  • Bergen – Krakhella (Expressboot)
  • Krakhella – Hardbakke (Bus)
  • Hardbakke – Gåsvær – Bulandet (Postboot)
  • Bulandet – Værlandet (Bus / Fahrrad)
  • Værlandet – Askvoll (Fähre)
  • Askvoll – Bergen (Expressboot)

 

Wer in Norwegen Inselhüpfen will muss früh aufstehen. Bereits um 8 Uhr morgens verließen wir den Hafen von Bergen mit dem Expressboot, einem sehr schnellen und ruhigen Katamaran von Norled. An Bord blieb erstmal Zeit für ein ausgiebiges Frühstück, während draußen die Ausläufer von Bergen, kleine und größere mit ochsenblutroten und hellgelben Häuschen gesprenkelte Inseln und sogar eine Walfamilie (!) an uns vorbeizogen.

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Pünktlich um 10:20 Uhr kamen wir im Hafen von Krakhella an, welches zur westlichsten Inselgemeinde Norwegens – Solund – bestehend aus ca. 1700 Inseln gehört. Hier wartete bereits ein Linienbus auf uns (die komplette Tour ist eigenverantwortlich und ohne Guide). Zusammen mit einer Handvoll anderer Leute machten wir uns auf den Weg nach Hardbakke, schlängelten uns an Seen und Bergen entlang und zwängten uns mit überraschend schnellem Tempo durch Felsspalten hindurch. Nach 40 Minuten kamen wir schließlich im Hafen von Hardbakke an, in dessen Hafen unser Postboot „Stjernsund“ bereits gemütlich vor sich hin schaukelte.

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Freundlich wurden wir von unserem Kapitän, einem äußert sympathischen Mann mit grauem Haar und Lachfältchen, willkommen geheißen. Er erklärte uns ausführlich die Route und den Verlauf unserer Reise und dann – nachdem zwei offensichtlich Einheimische mit jeder Menge Kisten, dreckverschmierten Gummistiefeln und praktischen Wind- und Wetterklamotten an Bord gehüpft waren – hieß es bereits Leinen los.

Litle Færøyna

Unser erster Stopp auf einer kleinen Insel machte uns direkt eine der vielfältigen Funktionen des Postbootes bewusst. Die beiden zuletzt zugestiegenen Norweger wurden mit Sack und Pack hier abgesetzt. Das Postboot fungiert nämlich nicht nur in seiner ursprünglichen Form als Postbote für abgelegene Inseln, sondern auch als Personen- und Gepäcktransport sowie als Lieferservice. Und natürlich als Touristenkutsche. Das Fassvermögen des Bootes – maximal 25 Personen – garantiert dabei ein einmaliges Erlebnis im kleinen Kreis. Bevor wir weiterfuhren zur nächsten Insel erzählte uns der von Bord gehende Inselbewohner über das Leben auf Litle Færøyna, so der Name der Insel. Diese beherbergt in den Sommermonaten ein Kindercamp, welches sich mit dem Leben im Einklang mit der Natur auseinandersetzt. Dinge wie eine Toilette mit Spülung sind hier nämlich weit zu suchen. So ganz auf alle Annehmlichkeiten wird dennoch nicht verzichtet: Es gibt eine Internetverbindung und die kalten Monate werden mithilfe von Elektrizität überbrückt.

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Island Hopping in Norwegen

Weiter ging die Fahrt von Inselchen zu Inselchen. Zu jeder Insel hatte der Kapitän eine kleine Anekdote parat („hier wohnen lediglich 5 Menschen und 20 Schafe, hier habe ich als Kind immer Süßigkeiten gekauft, hier wohnen 2 Familien, deren Kinder bis vor Kurzem das Postboot als Schulboot nutzten (inzwischen gibt es ein eigenes Schulboot), hier könnt Ihr leckere Schafswurst probieren,…“). Teilweise wurden wir von den Inselbewohnern bereits freudig erwartet, dann wieder nahmen wir Menschen ein Stück weit mit und teilweise hinterließen wir nur Post in den dafür vorgesehenen Postfächern.

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Gåsvær

Nachdem wir eine sehr stürmische Passage mit peitschendem Wind, Wellen und Regen überwunden hatten landeten wir in Gåsvær, der Heimatinsel unseres Kapitäns. Er und seine Familie sind ein Musterbeispiel für multiple und alternative Einkommenszweige. Neben dem Postboot welches wie oben bereits beschrieben ein Geflecht aus mehreren Funktionen ist geht die Familie auf Fischfang mit ihrem eigenen Boot, hält Schafe, die den Sommer auf den kleinen Inselchen rundum Gåsvær verbringen, empfängt Übernachtungsgäste in ihrem Gästehaus und bewirtet die Mitfahrenden des Postboots mit selbstgebackenen Pfannkuchen und Heißgetränken. Unbedingt sehenswert ist auch ihre Ansammlung von Meeresgut, welches liebevoll arrangiert im Schuppen hängt.

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Bulandet

Um ca. 14 Uhr – nach einer rasanten und schaukeligen Passage – kamen wir auf Bulandet an, eine Inselgruppe ca. 20 km vom Festland entfernt, besser bekannt als Norwegens westlichstes Fischerdorf. Hier wurden wir bereits von einer jungen Einheimischen erwartet, die uns eine Karte von Bulandet reichte und uns ein stückweit mitnahm. Ursprünglich hatten wir geplant ob hier aus ein Fahrrad zu mieten und damit zum Ablegepunkt der Fähre in Værlandet zu radeln. Aufgrund des immer wieder einsetzenden Regens entschieden wir uns allerdings dagegen und machen uns mit einer Amerikanerin und einem Briten im Schlepptau auf den Weg zum Aussichtspunkt. Auf dem Weg kamen wir am Bulandet Theme Park, dem alten Schulgebäude welches heutzutage das Inselmuseum beherbergt vorbei. Hier wird die Geschichte Bulandets in einer permanenten und einer wechselnden Ausstellung dargestellt.

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Schließlich landeten wir am Aussichtspunkt, welcher wirklich lohnenswert ist. Uns bot sich ein toller Ausblick über Bulandet und die gesamte umliegende Inselwelt. Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Café der Insel, welches wie wir belustigt feststellten in einem Gebäude untergebracht ist, welches gleichzeitig als Tankstelle, Post, Apotheke, Supermarkt, Fahrradverleih und öffentliche Toilette dient. Und eben auch als Restaurant/ Café. Wir machten es uns mit einer leckeren Waffel mit Himbeersauce und Sahne gemütlich. Auch Deftiges wie Fischsuppe, Fritiertes und traditionell norwegische Gerichte stand auf der Karte.

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Viel zu schnell war leider schon der Moment zum Aufbruch gekommen, um 15:50 Uhr fuhr unser Bus nach Værlandet. Dort bestiegen wir die Fähre, welche uns in einer guten Stunde nach Askvoll brachte. Hier wiederum legte das Expressboot ab, welches uns zurück nach Bergen bringen sollte. Während der Regen gegen die Fenster prasselte gönnten wir uns ein kleines Schläfchen, später wagten wir uns auf das obere Aussendeck, wo der Wind an unseren Haaren zerrte und die Sonne sich langsam zwischen den Wolken hervor stahl. Um 20:45 Uhr landeten wir wieder in Bergen, welches in abendliches Sonnenlicht getaucht besonders schön aussah. Ein tolles Finale eines grandiosen Tages!

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Na, hast Du Lust bekommen auf Island Hopping in Norwegen?

Tipps

  • Der Island Hopping Tagesausflug von Norled wird in dieser Form vom 20. Juni bis 19. August (montags bis freitags) angeboten und kostet NOK 1390 pro Person.
  • Verpflegung: Auf den Expressbooten von Norled sowie auf Gåsvær und Bulandet besteht die Möglichkeit, sich mit Essen und Trinken (gegen Bezahlung) einzudecken. Selbst etwas zu essen mitzubringen ist natürlich auch möglich und zudem freundlicher für den Geldbeutel
  • Leicht seekrank? Die Expressboote von Norled fahren komplett ruhig, man merkt kaum, dass man sich auf einem Boot befindet. Das Postboot dagegen fährt durch einige unruhige Passagen, bei denen man hohen Wellengang erwarten kann. Wer anfällig ist für Seekrankheit sollte lieber vorsorgen.
  • Ausrüstung: Das Wetter in Norwegen kann sich erfahrungsgemäß im Minutentakt ändern. Man sollte sich daher für einen derartigen Tagesausflug alle Wetterlagen rüsten. Sonnencreme nicht vergessen, schließlich ist man die meiste Zeit auf dem Wasser!

 

Ich wurde von Norled zu diesem Tagesausflug eingeladen. Vielen Dank dafür! Meine Meinung und Begeisterung bleibt meine eigene.
Norwegen-Kurztrip in 5 Tagen: Route, Highlights & Tipps
Weiterlesen:
Die komplette Reise findest Du im Beitrag „Norwegen-Kurztrip in 5 Tagen: Route, Highlights & Tipps“.
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Kerstin hat schon früh gemerkt, dass es sich lohnt, über den "Tellerrand" hinaus zu blicken und ihr Herz inzwischen an viele Orte verloren. Auf paradise-found.de schreibt sie von ihren Reiseerlebnissen, (versteckten) Lieblingsorten und gibt wertvolle Reisetipps.

Eine Antwort

  1. […] Mehr wissen? Meinen ausführlichen Bericht über mein Island Hopping Erlebnis liest Du hier. […]

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