Hundeschlittentour in Lappland: Rasant durch’s Winterwunderland

Hundeschlittentour in Lappland: Rasant durch’s Winterwunderland

Nur das leise Hecheln der Hunde, das Geräusch der Schlittenkufen auf dem Schnee und sonst… Nichts. Weit und breit nichts als perfekte, mit Puderzucker bestäubte Winterlandschaft, die durch keinen Laut durchbrochen wird. Ich muss unwillkürlich grinsen, vor Glück. Da sitze ich nun, auf einem Hundeschlitten, mit einem fetten Grinsen auf dem Gesicht, die freudig im Galopp auf und ab wippenden Hundehintern vor mir, meinen Freund hinter mir auf dem Schlitten stehend und um uns herum nichts außer Schneegestöber. Ein Moment, den ich gerne anhalten und in einem Einmachglas für weniger freudige Tage konservieren würde.

Hundeschlittentour in Lappland

Eine unvergessliche Hundeschlittentour in Lappland

Aber von Anfang an. Nur 20 km von Kiruna, bekannt für Bergbau (Eisenerz) und seine Nähe zu Jukkasjärvi, der Heimat des Eishotels beginnt die Wildnis. Über einen Feldweg holpern wir 6 km in die Pampa hinein und finden schließlich eine Handvoll Häuschen, eine Brücke und Eisenbahngleise vor. Hier befindet sich Kiruna Husky, vor nicht allzu langer Zeit errichtet von Sebastian, wie der Zufall es will, einem Deutschen. Vor 6 Jahren kehrte er der Heimat den Rücken mit dem Plan, den ganzen Trubel hinter sich zu lassen und in Lappland ganz einfach, im Einklang mit der Natur in einer Hütte in der Wildnis zu wohnen. Inzwischen ist dieser Traum wahr geworden: Sebastian lebt mit mehr als 30 Hunden und einem Team von jungen Leuten, die er zu Mushern (Fachbegriff für denjenigen, der ein Hundeschlittengespann lenkt) ausbildet in einem Haus am See im Nichts, auch Kalixforsbron genannt.

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Bei Ankunft werden wir sehr nett empfangen und direkt in den Schuppen gelotst. Hier werden wir mit Schneeanzügen, warmen Stiefeln und Lederhandschuhen eingekleidet, alles ein paar Größen zu groß, dann kann sich noch viel Wärme entwickeln. Als nächstes haben wir Zeit die Hunde zu begrüßen. Neugierig drängen sie sich an die Maschen ihrer Gehege und rangeln darum, wer von ihnen als erstes von uns gestreichelt wird. Überall feuchte Hundenasen, dunkelbraune und stechend hellblaue Augen und dichtes, weiches Fell, so dicht, dass ihm die eisige Kälte hier oben in Lappland nichts anhaben kann… Nun ist die Zeit gekommen, das heutige Team zusammenzustellen. Die Hunde wissen genau worum es geht, werfen sich aufgeregt gegen die Gitter ihrer Behausungen und buhlen darum ausgewählt zu werden. Bedachtsam wählt Sebastian insgesamt 14 Hunde aus und lässt sie, einer nach dem anderen aus dem jeweiligen Gehege. Wie Kinder freuen sich die Hunde, ihre Kameraden wieder zu sehen, hüpfen und wuseln umeinander herum oder jagen hintereinander her.

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Erste Lektion: Hunde einspannen. Dabei klemmt man sich den Hund so zwischen die Schienbeine, dass er nicht davonlaufen kann, dann streift man ihm das Geschirr über, bugsiert die beiden Vorderbeinchen behutsam hindurch und befestigt das Geschirr dann am Seil vor dem Schlitten. Wichtig: Der Schlitten muss dazu festgebunden bzw. fest im Schnee verankert sein ansonsten laufen die Hunde einfach drauflos (wie ich später noch merken sollte). Zeit für die nächste Lektion bevor es losgeht: Lenken und Bremsen. Schlittenhunde sind nicht wie Pferde, die auf Kommando loslaufen, Huskys laufen los sobald man sie lässt. Zwei verschiedene Bremsen können zum Drosseln des Tempos und Halten genutzt werden, darüber hinaus gibt es einen Schneeanker, der bei Pausen genutzt werden kann. Über Gewichtsverlagerung und gezieltes Bremsen kann der Schlitten gelenkt werden.

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Dann ist endlich die Zeit zum Aufbruch gekommen. Sebastian wird Voraus fahren, mein Freund und ich teilen uns den Schlitten dahinter. Wir haben das große Glück die Einzigen auf dieser Tour zu sein. Ich nehme vorerst vorne auf dem mit einem Rentierfell ausgelegten Schlitten Platz, mein Freund übernimmt das Lenken und Bremsen und steht hinter mir. Und los geht’s. Unsere 8 Hunde werfen sich in ihr Geschirr und ziehen mit einer überraschenden Geschwindigkeit den Schlitten an. Das aufgeregte Kläffen und die Unruhe der Hunde vor der Abfahrt weicht einem leisen Hecheln. Abgesehen davon hören wir Nichts außer dem Geräusch der Schlittenkufen auf dem Schnee. So fahren wir dahin, gegen den einsetzenden Schnee blinzelnd. Unwillkürlich überkommt mich ein Glücksgefühl und ich grinse in meinen Schal, den ich mir eng um Hals, Mund und Nase gewickelt habe.

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Nach einer Weile wird getauscht, ich soll nun den Schlitten lenken. Hier wird auch gleich die Aussage bestätigt, dass die Hunde losrennen sobald man es ihnen erlaubt: Bei der Übernahme stehe ich nicht richtig auf der Bremse und unsere Hunde rennen los, ungeachtet der Tatsache, dass Sebastians Schlitten nur wenige Meter entfernt vor uns steht. Schnelles Bremsen kann ein Hundekuddelmuddel leider nicht verhindern. Lektion gelernt.

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Nach einiger Zeit kommen wir dann an einem Lavvu, einem traditionellen Samenzelt, an. Hier werden wir unsere Mittagspause abhalten. Also Schneeanker geworfen und Proviant ins Zelt geschleppt. Bevor wir etwas zu essen sehen werden erst einmal die Hunde versorgt. Sebastian zerhackt eine große, gefrorene Wurst mit dem Beil. Gierig verputzen die Hunde die gerecht verteilte Leckerei und wälzen sich danach zufrieden im frischen Pulverschnee. Daraufhin gehen wir ins Zelt und Sebastian baut unter Erzählungen ein kleines Lagerfeuer an der bereits bestehenden Feuerstelle auf. Auf diesem wird Wasser für Tee und Kaffee und eine leckere Pilzsuppe gebrutzelt. Auf dem Grill wärmen wir kleine Fladenbrote.

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Sebastian erzählt, wie er hier oben gelandet ist und was das Leben hier ausmacht. Als nächstes Sprechen wir über das Zusammenleben mit den hier ansässigen Samen. Diese sind bis heute die Einzigen, die zur Rentierzucht berechtigt sind und besitzen damit verbunden viele Extrarechte. Huskys sehen sie als Gefahr für ihre Rentiere, die sich einen großen Teil des Jahres frei bewegen. Großes Feingefühl, echtes Interesse und viel Einfühlungsvermögen ist gefragt um die Fronten zu klären und ein friedliches Zusammenleben möglich zu machen. Sebastian ist dies gelungen und er hat ein gutes Verhältnis zu den Samen in der Umgebung. Als einer der Hunde ein Wolfsgeheul anstimmt in das alle Hunde mit einfallen unterbrechen wir unser Gespräch und lauschen andächtig.

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Kurz danach nehmen wir unsere Fahrt wieder auf und begeben uns auf den herausfordernden zweiten Streckenabschnitt. Nun schlängeln wir uns durch den Wald, um Bäume herum, unter niedrig hängendem Gebüsch hindurch. Und das alles in einem ganz schönen Tempo. Auch vorne auf dem Schlitten kann man sich jetzt nicht mehr ausruhen – es hüpft und wackelt, man muss sich ducken und ausweichen. Aber es macht Spaß. Und wie.

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Viiiiiiel zu schnell erreichen wir das Gatter zu Sebastians Anwesen. Unser Hundeschlitten-Abenteuer neigt sich seinem Ende zu. Aber bevor es soweit ist loben wir die Hunde ausgiebig, helfen bei der Fütterung und befreien Sie dann – einer nach dem anderen – wieder aus dem Geschirr. Ein wunderbarer Tag, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

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Hast Du Lust bekommen auf eine rasante Hundeschlittentour in Lappland?

Tipps für eine Hundeschlittentour in Lappland:

  • Bei Kiruna Husky (kirunahusky@kamp-kiruna.com oder via Facebook) buchst Du diese tolle 5-stündige Schlittenfahrt für 1600 SEK pro Person.
  • Auch 3,5- oder 4-stündige Hundeschlittentouren sind möglich. Ab März werden zudem mehrtägige Touren angeboten.
  • Darüber hinaus sind Schneeschuh laufen und Eisfischen möglich.

 

Diese Hundeschlittenfahrt wurde von Kiruna Husky unterstützt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung bleibt meine eigene.

 

Kerstin
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Kerstin hat schon früh gemerkt, dass es sich lohnt, über den "Tellerrand" hinaus zu blicken und ihr Herz inzwischen an viele Orte verloren. Auf paradise-found.de schreibt sie von ihren Reiseerlebnissen, (versteckten) Lieblingsorten und gibt wertvolle Reisetipps.

14 Antworten

  1. Rosa
    | Antworten

    Du sprichst mir mit jedem Wort aus der Seele! Sehr schöner Artikel! Aber jetzt fehlt mir der Norden umso mehr… 😉

    • Kerstin
      Kerstin
      | Antworten

      Hey Anuschka! Danke für Deinen lieben Kommentar! Da geht es mir leider genauso! Könnte sofort wieder los!
      Liebe Grüße, Kerstin

  2. […] So laut und aufgekratzt die Stimmung kurz vor Antritt einer Schlittenfahrt mit Huskys, so unglaublig ist die nur vom leichten Hecheln der Hunde unterbrochene Stille sobald es endlich losgeht. Überraschend schnell gleiten wir durch die winterlich verzauberte Landschaft, über Seen und durch Wäldchen, mal unter schneebedeckten Zweigen durch und dann wieder über Hügelchen hinweg. Mehr dazu hier. […]

  3. Nina
    | Antworten

    Leider habe ich deinen Blog eben erst entdeckt -aber er gefällt mir richtig gut!
    Tolle Fotos und tolle Eindrücke, die du uns hier lieferst. Eine Hundeschlittentour in Lappland steht schon so lange so weit oben auf meiner Liste, und deine Fotos bestätigen mich in meinem Vorhaben… Es sieht wunderschön aus und ich kann Sebastian so gut verstehen und würde ihn auch gerne mal treffen -also, wenn es bei mir in naher Zukunft eine Hundeschlittentour gibt, dann bei ihm. Und vielleicht steige ich dann auch bald aus, oder gar nicht erst ein, und mache stattdessen ein Tierheim in Spanien auf 🙂

    Liebe Grüße aus Portugal! 🙂

    • Kerstin
      Kerstin
      | Antworten

      Hey Nina!
      Dein Blog war mir bislang leider auch unbekannt. Aber das hat sich ja nun glücklicherweise geändert! 🙂
      Die Hundeschlittentour war ein wirklich einmaliges und eindrückliches Erlebnis, das ich Dir nur ans Herz legen kann. Und Sebastian ein echt super Guide. Er freut sich bestimmt, wenn Du Dir bei ihm Tipps zum Aussteigen holst! 😉
      Liebe Grüße, Kerstin

  4. Carina
    | Antworten

    Hi Kerstin,

    so eine Hundeschlittentour will ich auch unbedingt mal machen, eigentlich schon seit letztem Jahr! Jetzt bin ich leider gerade im ganz anderen (warmen) Teil der Welt, aber vielleicht ergibt sich im Winter für mich endlich die Chance! Wirklich tolle Bilder und die Hunde sehen so toll aus! In meiner eigenen Hündin steckt auch ein Teil Husky, wobei sie wohl viieeel zu faul wäre, einen Schlitten zu ziehen! 😀 Da muss es wahrscheinlich schon echtes, nordisches Huskygemüt sein.
    Aber ein sehr schöner Blog, freut mich ihn heute gefunden zu haben!
    Liebe Grüße aus Afrika,
    Carina

    • Kerstin
      Kerstin
      | Antworten

      Hi Carina!
      Das kann ich Dir wirklich nur von ganzem Herzen empfehlen! Drücke Dir die Daumen, dass es nächsten Winter klappt und Du die ziehfreudigen Verwandten Deiner Hündin mal kennenlernst! Bis dahin wünsch ich Dir erstmal viel Spaß in Afrika! Deinen Blog lese ich schon seit einer Weile fleissig mit! 🙂
      Liebe Grüße,
      Kerstin

  5. Lu
    | Antworten

    Wow, was für ein tolles Abenteuer und so schöne Fotos! Ich kann verstehen, dass du mächtig Glücksgefühle bekommen hast. So eine Schlittenfahrt mitten in einem Wintermärchen würde ich auch gern mal machen. Super schön! Liebe Grüße Lu

    • Kerstin
      Kerstin
      | Antworten

      Hallo Lu!
      Das kann ich Dir auch nur aus vollem Herzen empfehlen! Diese Saison wird es wohl nichts mehr, aber vielleicht etwas für den nächsten Winter?
      Liebe Grüße,
      Kerstin

  6. nordicfamily
    | Antworten

    Oh das kommt uns irgendwie bekannt vor 🙂 Was für schöne Erinnerungen. Die Nordicfamily schaut immermal wieder bei Sebastian vorbei. Hier probierten wir sogar mal einen Kinderhundeschlitten aus. Beste Grüße von uns! Geertje

    • Kerstin
      Kerstin
      | Antworten

      Verständlich, dass Ihr gerne zu Gast seid bei Sebastian! Er hat es wirklich geschafft, einen Ort zu kreieren, an den man immer gerne zurückkehren will. Und der Kinderhundeschlitten war garantiert der Renner bei Euren Jüngsten!
      Viele Grüße, Kerstin

  7. […] Hundeschlittentour, welche wir in Lappland unternahmen mag unter Tierschützern ein Diskussionspunkt sein. Hierzu zwei […]

  8. […] Hundeschlittentour in Lappland: Rasant durch’s Winterwunderland […]

  9. […] Eines der schönsten Wintererlebnisse in Lappland ist eine Hundeschlittenfahrt. Die Begeisterung, Kraft und Schnelligkeit der Hunde in Kombination mit der Stille und Weite der zauberhaften Winterlandschaft, die an einem vorbeizieht ist einfach unbeschreiblich. Die Krönung: Ein leckerer Lunch am Lagerfeuer im Samenzelt. Mehr über dieses tolle Erlebnis liest Du in meinem Beitrag: „Hundeschlittentour in Lappland: Rasant durch’s Winterwunderland„. […]

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