Amsterdamer Geheimtipp: kulinarischer Genuss im Huiskamerrestaurant

Amsterdamer Geheimtipp: kulinarischer Genuss im Huiskamerrestaurant

In einer Stadt wie Amsterdam, die geprägt ist vom bunten Durcheinander der Nationalitäten, Sprachen und Kulturen kann man sich kulinarisch einmal um die Welt essen. Huiskamerrestaurants (wörtlich übersetzt Wohnzimmerrrestaurants) sind ein tolles Konzept, welche zu Zeiten von Social Sharing-Initiativen wie Airbnb und Couchsurfing großen Anklang findet und zählen noch als echter Amsterdamer Geheimtipp. Ursprünglich eine Initiative von Hobbyköchen, die ihnen unbekannte Gäste an den heimischen Tisch holen. Aufgrund des großen Erfolges bietet Amsterdam inzwischen eine breite Palette von Huiskamerrrestaurants mit verschiedenster Küche, Gruppengrößen und unterschiedlichen Leveln an Interaktion zwischen Gastgeber und Gast. Ich habe verschiedene Huiskamerrestaurants in Amsterdam getestet und 3 verschiedene Typen vorgefunden:

Amsterdamer Geheimtipp: Das persönliche Huiskamerrestaurant

Auf der Suche nach einem besonderen Ort für ein Abendessen in Amsterdam mit Freunden, die uns besuchten stieß ich auf Withlocals. Obwohl die Social Eating und Meeting Plattform erst seit kurzem in den Niederlanden vertreten ist fand ich eine erstaunliche Fülle von Huiskamerrestaurants. Vom „vegan dinner in a catlovers home“, über Barbecue bei einer Grachtenfahrt bis hin zum Sushi-Workshop war alles vertreten.

Meine Wahl viel auf das Angebot von Lotta: Dinner auf einem echten Hausboot. Vor ein paar Jahren haben Lotta und ihr Mann Pieter ein Hausboot im Herzen von Amsterdam erstanden und von Grund auf restauriert. Darüber hinaus sind beide leidenschaftliche Reisende und sammeln auf ihren Reisen nicht nur neue Eindrücke sondern auch neue Rezepte. Hausboottour plus kulinarische Weltreise sozusagen. Klingt toll, oder? Unsere englischen Gäste waren auf den ersten Blick total von den Socken als wir ihnen von unseren Plänen verrieten. Wir essen auf einem Hausboot? Und dann auch noch bei Fremden? Doch jegliches Misstrauen unserem Vorhaben gegenüber war spätestens nach dem herzlichen Empfang bei Kerzenschein gefolgt von einer Führung durchs Hausboot verflogen. Denn bei Lottas Hausboot handelt es sich nicht nur um irgendein Hausboot sondern um eine bis ins kleinste Detail durchdachte Gesamtkomposition aus verschiedensten Materialien, Licht und Kreativität. Und Lotta selbst (ihr Mann musste leider arbeiten) so lebendig und herzlich, dass man sich in ihrer Gesellschaft nur wohlfühlen kann. Auf dem Menü stand hausgemachtes Zitronensorbet mit Prosecco, welches wir als Aperitiv am prasselnden Kamin genossen, gefolgt von grüne Paprika-Avocado-Suppe. Zum Hauptgang wurde Lottas Black Chicken (in Ketchap und Portwein mariniertes Hühnchen) mit rote Beete in Balsamico, herbstlichem Rotkohlsalat, Knoblauchkartoffeln und Soße serviert – sehr lecker. Den krönenden Abschluss bildete eine mit einem Pudding und Haselnusscrumble gefüllte Orange. Insgesamt sechs Stunden verbrachten wir in Lottas Gesellschaft und hatten das Gefühl, als ob wir bei Freunden zu Besuch wären. Unsere englischen Freunde waren restlos begeistert und schwärmten noch den gesamten nächsten Tag von diesem tollen Erlebnis.

Preis für ein Abendessen bei Lotta im Hausboot: 15 – 40 Euro (abhängig von der Personenanzahl, max. 4 Personen) inklusive Essen und 2 alkoholische Getränke

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Amsterdamer Geheimtipp: Halbkommerzielle Huiskamerrestaurants

Einen nicht weniger tollen aber komplett anderen Abend verbrachten wir bei Lalaine. Zwar waren wir ebenso wie bei Lotta bei ihr Zuhause eingeladen jedoch ist Lalaine inzwischen professionelle Köchin und ihre asiatischen Abende beziehungsweise ihre Sushi-Workshops sind ihre Haupteinnahmequelle. Der Tisch war nur für uns gedeckt, Lalaine und ihr Mann waren die Köche und überließen uns nach getaner Arbeit uns selbst. Ein privates Restaurant bei jemandem Zuhause sozusagen. Und dazu mit tollem Blick über Amsterdam. Bei uns auf dem Menü standen Frühlingsrollen gefolgt von 6 verschiedenen Fleisch- und Gemüsegerichten, eines leckerer als das andere. Zum Dessert gab es Mangosorbet. Lalaine war lange Zeit nur Hobbyköchin bis sie eines Tages für Freunde aus Resten etwas so Leckeres zauberte, dass ihr nahegelegt wurde, doch professionell zu kochen. Wer richtig lecker essen möchte sollte Lalaine definitiv einen Besuch abstatten.

Preis für ein asiatisches Dinner bei Lalaine: 15-30 Euro (abhängig von Personenanzahl, max. 12) für Dinner, Softdrinks und 1 Flasche Wein.

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Amsterdamer Geheimtipp: Kommerzielle Huikamerrestaurants

Das allererste Huiskamerrestaurant, welches ich besuchte war das von Marleen und Mieke mit dem markanten Namen „Eat your Heart out“. Ihr Huiskamerrestaurant befindet sich nicht bei ihnen Zuhause sondern im Erdgeschoss eines typischen Amsterdamer Hauses. Und doch fühlt man sich von der ersten Minute an wie Zuhause: Ein herzliches Hallo, unterstrichen vom hellen, freundlichen Ambiente des Restaurants. Dieses besteht aus einem langen, schmalen Raum mit einer Küchenecke und einem großen Tisch, welcher mit viel Liebe, jede Menge Kerzen und Blumen dekoriert ist. Hier, am großen Tisch, kommen einmal die Woche wildfremde Menschen zusammen zum „aanschuifdiner“ (was so viel bedeutet wie: zusammen-an-einem-Tisch-sitz-Dinner). Als Gast weiß man vorher nicht, was auf den Teller kommt, nur so viel. Es gibt eine Wahlmöglichkeit zwischen Fleisch, Fisch und vegetarisch. Die beiden Gastgeberinnen legen einen besonderen Fokus auf faire und frische Produkte. Und das schmeckt man. Bei unserem Besuch steht auf der Speisekarte: Entenbrust mit Zuckerschoten, grünem Spargel, Nudeln und rote Wein-Ingwersoße als Fleischgericht, ein asiatisches Fischpaket mit Kabeljau, Bimi und Reis als Fischgericht und Pilzburger mit Zwiebelchutney und gegrilltem Kürbis als vegetarische Variante. Fazit: Alles war lecker! Zum Dessert gibt es hausgemachten Apfelkuchen mit Zimteis.

Preis für ein Abendessen bei Eat your Heart out: 12,50 € für den Hauptgang und 3,50 € für das Dessert. Ein fairer Preis für Amsterdam, wie ich finde. Das aanschuifdiner findet jeden Dienstag statt. Ca. 20 Personen finden Platz am Tisch.

***Update 08/2016: Leider bietet Eat your Heart out das aanschuifdiner nur noch in unregelmäßigen Abständen an. Bei Interesse einfach eine E-Mail an info@eatyourheartout.nl schreiben.

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Andere kommerzielle Huiskamerrestaurants:

Marits Huiskamerrestaurant
Bei Marits Huiskamerrestaurant gibt es ebenso wie bei Eat your Heart out keine Karte sondern ein monatlich wechselndes, saisonales Menü mit Wahlmöglichkeiten.

Caro Kookt 
Bei Caro Kookt wird jeden Freitag ein aanschuifdiner veranstaltet. Auch hier gibt es keine Karte sondern ein anderes Essensmotto jeden Freitag.

Saskia’s Huiskamerrestaurant 
Für Gruppen ab 14 Personen. Eine tolle Adresse für einen besonderen Lunch, Abendessen oder High Tea.

De IJ-Keuken 
Tinda schwingt für Gruppen ab 10 Personen den Kochlöffel.

Kookerij het Singel 
Auch hier sind Gruppen ab 12 Personen willkommen.

 

Plattformen für persönliche oder halbkommerzielle Huiskamerrestaurants:

Withlocals 
Bietet nicht nur die Möglichkeit bei Einheimischen Zuhause zu essen sondern ist auch ein Marktplatz für Aktivitäten und Touren. Seit kurzem ist die Plattform auch in den Niederlanden bzw. Europa aktiv.

Air DnD 
Air DnD heißt soviel wie Air Drink ’n Dine. Ähnlich wie Withlocals vermittelt die niederländische Plattform (Achtung, am besten Google Chrome benutzen zum übersetzen) Dinner bei Einheimischen Zuhause.

Dine with the Dutch 
Mit Holländern dinieren, das ist das einfache aber gute Konzept von Dine with the Dutch. Bei einer holländischen Familie am Küchentisch sitzen, deren Geschichten über das Leben in Holland lauschen und dazu ein 3-Gänge-Menü geniessen. Lekker!

Eat With 
Einen professionellen Koch mal ganz für sich alleine haben? Und dabei noch mehr über Holland erfahren? Genau das ist das Konzept hinter Eat With.

 

Na, hast Du Lust auf ein besonderes Dinner in Amsterdam bekommen? Oder hast Du noch weitere Amsterdamer Geheimtipps auf Lager? Schreib es mir!

Noch mehr Tipps, wie Du auf Reisen mit Einheimischen in Konakt kommst findest Du hier.

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Kerstin
Verfolgen Kerstin:

Kerstin hat schon früh gemerkt, dass es sich lohnt, über den "Tellerrand" hinaus zu blicken und ihr Herz inzwischen an viele Orte verloren. Auf paradise-found.de schreibt sie von ihren Reiseerlebnissen, (versteckten) Lieblingsorten und gibt wertvolle Reisetipps.

2 Antworten

  1. […] Willst Du etwas ganz Besonderes erleben? Und nebenbei noch etwas über das Leben in Holland erfahren? Dann kann ich Dir einen Besuch in einem Huiskamerrestaurant empfehlen! Die Wohnzimmerrestaurants sind in Amsterdam weit verbreitet und es gibt nichts einmaligeres als ein Dinner bei Einheimischen Zuhause! Mehr darüber lesen? Dann klicke hier! […]

  2. […] Amsterdamer Geheimtipp: kulinarischer Genuss im Huiskamerrestaurant […]

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